NET 1-2/2026-auszug

12 www.net-im-web.de 01-02/26 Innovation oder Disruption adressieren. Dr. Hacke wies jedoch darauf hin, dass zwischen einem hohen Anspruch an Souveränität und der Wirtschaftlichkeit bei der Umsetzung Zielkonflikte bestehen können. Dieser Zielkonflikt lasse sich mit einem „Schieberegler“ vergleichen, bei dem Kosten und Sicherheitsniveau gegeneinander abgewogen werden müssen. Höhere Schutzgrade erhöhen die Kosten und begrenzen Skalierungsmöglichkeiten. Entscheidend ist daher ein angemessener, unternehmensindividueller Kompromiss. Kooperationen zwischen TK und IT Für eine erfolgreiche Bearbeitung des Geschäftskundensegments gewinnen Kooperationen zunehmend an Bedeutung. Dies erfordert entweder die Zusammenarbeit mit IT-Spezialisten oder den gezielten Ausbau der eigenen Wertschöpfungskette. Vodafone hat diesen Weg unter anderem durch die Akquisition des Cloud- und Security-Anbieters Skaylink eingeschlagen. Bei Geschäftskunden zeichnet sich eine funktionale Arbeitsteilung ab: Kritische Anwendungen werden verstärkt bei Telekommunikationsanbietern betrieben, während weniger kritische Workloads häufig bei Hyperscalern in deren Cloud- und Rechenzentrumsinfrastrukturen liegen. Damit rückt eine differenzierte Betrachtung von Souveränität im Kontext der Sicherheit in den Vordergrund. Drei Dimensionen lassen sich unterscheiden: 1. Daten-, Betriebs- und Technologiesouveränität: Speicherorte, Verschlüsselung und Betriebsmodelle, 2. Zugriffssouveränität: Regelungen zum Daten- und Administrationszugriff, 3. Technologische Herkunft: Einsatz von Technologien aus unterschiedlichen geopolitischen Räumen oder aus Open-Source-Ökosystemen. Es wurde deutlich, dass eine absolute Souveränität nicht existiert. Hyperscaler bieten hohe Innovationsgeschwindigkeit, Skalierbarkeit und attraktive Leistungsportfolios, weshalb ihre Cloudangebote von vielen Unternehmen genutzt werden. Gleichzeitig erfordert dies aus Sicht der Geschäftskunden eine sorgfältige Risikoabwägung hinsichtlich des Umfangs der Nutzung. Vor diesem Hintergrund gewinnen sowohl die Zusammenarbeit zwischen Telekommunikationsunternehmen und Hyperscalern als auch eine klare Differenzierung der jeweiligen Produktportfolios weiter an Bedeutung. Fazit Die Zukunft der Telekommunikationsunternehmen entscheidet sich nicht ausschließlich an Bandbreite und Verfügbarkeit, sondern zunehmend an der Fähigkeit, Komplexität zu beherrschen und Vertrauen aufzubauen. Die Anbieter entwickeln sich zu integrierten Plattformakteuren, die Konnektivität, IT-Services, Cloud-Ökosysteme und Souveränitätsaspekte miteinander verbinden. Hybride Betriebsmodelle, strategische Partnerschaften mit Hyperscalern sowie gezielte Investitionen in Infrastruktur, Datenverarbeitung und neue Betriebsmodelle sind dabei keine Gegensätze, sondern zentrale Voraussetzungen für Skalierbarkeit und Kundenorientierung – insbesondere im Geschäftskundensegment. Zugleich wird die Glaubwürdigkeit der Telekommunikationsanbieter zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Wer Sicherheit, Compliance und regionale Datenhoheit verlässlich gewährleisten und zugleich Transformationsaufwände begrenzen kann, erhöht die Akzeptanz bei Geschäftskunden. Akquisitionen und der Ausbau der Wertschöpfungstiefe stärken diese Position, sofern sie einen klaren Kundennutzen erzeugen. Die Monetarisierung bleibt jedoch eine zentrale Herausforderung. Die Stabilität von Telekommunikationsverbindungen ist erfolgskritisch, lässt sich aber nur begrenzt preislich differenzieren. Marktmechanismen dürften den Druck auf die Anbieter weiter erhöhen und die Konsolidierung beschleunigen. Umso wichtiger ist es, dass Telekommunikationsunternehmen jetzt investieren, klare strategische Profile entwickeln und Verantwortung übernehmen. Die Diskussion mit Dr. Marcus Hacke zeigte, dass die Branche hierzu bereit ist – und damit die Voraussetzung schafft, ihre Rolle als souveräner Enabler der digitalen Wirtschaft weiter auszubauen. Dr. Marcus Hacke, Director Marketing & Products bei Vodafone (links), und Prof. Dr. Jens Böcker (rechts) machten deutlich, dass eine engere Zusammenarbeit zwischen Telekommunikationsunternehmen und Hyperscalern unumgänglich ist

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