14 www.net-im-web.de 10/2026 Eine zusätzliche Verbindung für den Krisenfall sondern zentrale Kommunikations- und Steuerungssysteme treffen. Sind IP-basierte Telefonanlagen, Vermittlungsdienste oder betriebliche Datennetze betroffen, können sich Abstimmungen verzögern und Betriebsprozesse ausfallen. Ein Angriff auf einen Verwaltungsserver bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass auch das BOS-Digitalfunknetz ausfällt. Belastbare öffentliche Statistiken, die solche unmittelbaren Folgen für die BOS-Kommunikation umfassend erfassen, liegen nicht vor. Drohnen als Gefahrenquelle Neben Cyberangriffen rücken physische Bedrohungen stärker in den Mittelpunkt. Drohnen können Kommunikationsstandorte und andere kritische Anlagen ausspähen. Darüber hinaus können sie gezielte Sabotage vorbereiten oder technische Einrichtungen unmittelbar angreifen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) berichtet seit Sommer 2024 über vermehrte verdächtige Drohnenflüge über Kritischen Infrastrukturen in Deutschland. Zu den beobachteten Bereichen gehören Energieanlagen, Industrieanlagen und militärische Einrichtungen. Satellitenkommunikation verhindert solche Angriffe nicht. Sie bietet aber die Möglichkeit, Verbindungen auf einem anderen Übertragungsweg wiederherzustellen, wenn terrestrische Kommunikationsanlagen beschädigt sind. Voraussetzung ist, dass die Satellitenterminals und ihre Versorgungseinrichtungen selbst geschützt bleiben. Satelliten als Ergänzung Für die reguläre Kommunikation von Einsatzkräften bleiben terrestrische Netze unverzichtbar. Das BOS-Digitalfunknetz unterstützt einsatzbezogene Gruppenkommunikation und ist für besondere Sicherheitsanforderungen ausgelegt. Mobilfunknetze ermöglichen darüber hinaus breitbandige Datenübertragung, etwa für Bilder, Lageinformationen oder mobile Anwendungen. Satellitenkommunikation erfüllt andere Aufgaben. Sie eignet sich für Verbindungen zwischen Leitstellen, Krisenstäben, Ausweichstandorten und mobilen Führungseinrichtungen. Über Terminals lassen sich Sprach- und Datendienste unabhängig von lokalen Glasfaser- oder Mobilfunkanschlüssen übertragen. Dabei unterscheiden sich die technischen Möglichkeiten erheblich. Geostationäre Satelliten in rund 35.800 Kilometern Höhe versorgen große Gebiete, verursachen aber vergleichsweise hohe Signallaufzeiten. Systeme im niedrigen Erdorbit (Low Earth Orbit, LEO) ermöglichen geringere Latenzen. Dafür benötigen sie geeignete Antennensysteme und die kontinuierliche Verfügbarkeit vorbeiziehender Satelliten. Auch Satellitennetze besitzen Schwachstellen. Störungen durch Funkinterferenzen, gezielte Signalüberlagerung, Cyberangriffe auf Bodensegmente und Ausfälle zentraler Netzdienste bleiben möglich. Die Leistungsfähigkeit hängt außerdem von der verfügbaren Kapazität, den Antennenbedingungen und der Energieversorgung ab. Aus diesem Grund ist die Satellitenkommunikation alleine keine Garantie für ständige Erreichbarkeit. Ihr entscheidender Vorteil liegt darin, die Abhängigkeit von lokalen terrestrischen Übertragungswegen zu reduzieren. Europa baut Kapazitäten auf Der Bedarf an staatlich geschützter Satellitenkommunikation steigt. Mit dem Programm Governmental Satellite Communications (GOVSATCOM) reagiert die Europäische Union auf die steigende Nachfrage. Die EU bündelt dazu Satellitenkapazitäten mehrerer Mitgliedstaaten und stellt diese zur Nutzung bereit. Eine weitere Ausbaustufe ist die europäische Satellitenkonstellation IRIS². Sie soll künftig als Gegenpart zum amerikanischen Starlink-System sichere Kommunikationskapazitäten bereitstellen. Erste Dienste werden ab 2029 erwartet. Deutschland spielt beim Ausbau der Satellitenkommunikation in Europa eine wichtige Rolle. In Köln entsteht neben Athen einer der dauerhaften Standorte des europäischen GOVSATCOM-Hubs. Die Infrastruktur wird einen redundanten Zugang zu gemeinsamen Satellitenressourcen ermöglichen. Vorbereiten vor dem Netzausfall Behörden und KRITIS-Betreiber sollten zunächst festlegen, welche Kommunikationsverbindungen bei einem großflächigen Ausfall unbedingt erhalten bleiben müssen. Dazu gehören beispielsweise die Verbindung zwischen Leitstelle und Krisenstab, die Kommunikation mit technischen Bereitschaftsdiensten oder der Datenaustausch mit Versorgungsunternehmen. Anschließend müssen die Verantwortlichen prüfen, welche Anwendungen sich über Satellitenverbindungen mit begrenzter Bandbreite betreiben lassen. Sprachkommunikation, Lageberichte und priorisierte Betriebsdaten haben im Notfall Vorrang vor umfangreichen Datenübertragungen. Die technische Integration erfordert unter anderem geeignete Antennenstandorte sowie unabhängige Stromversorgungen. Bei einem Ausfall der regulären Kommunikationsstrecken erfolgt über verschlüsselte Verbindungen die Umschaltung auf Satellitenbetrieb. Dazu gehören auch zentrale IT-Sicherheitsfunktionen. Zur Vorbereitung gehören außerdem verbindliche Nutzungsvereinbarungen, die Abstimmung mit Kommunikationspartnern und regelmäßige Übungen. Ein Satellitenterminal, das lediglich eingelagert wird, gewährleistet noch keine einsatzfähige Ersatzverbindung. Behörden und KRITIS-Betreiber gleichermaßen sind angehalten, bereits heute die notwendigen Schnittstellen, Betriebsverfahren und Zuständigkeiten für ergänzende Satellitenkommunikation festzulegen. Nur wer Satellitenkommunikation rechtzeitig integriert und unter realistischen Bedingungen testet, ist für den Ernstfall gut aufgestellt.
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