13 www.net-im-web.de 10/2026 KOMMUNIKATIONSMANAGEMENT Eine zusätzliche Verbindung für den Krisenfall Satellitenkommunikation für BOS und Kritische Infrastrukturen Bernhard Reimann ist Chefredakteur der NET Bernhard Reimann Cyberangriffe, Sabotage und die zunehmende Bedrohung durch Drohnen stellen die Kommunikationsinfrastrukturen in Deutschland und Europa vor neue Herausforderungen. Für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) sowie Betreiber Kritischer Infrastrukturen (KRITIS) wächst damit die Bedeutung unabhängiger Kommunikationswege. Satellitenkommunikation kann bei einem Ausfall terrestrischer Netze wichtige Verbindungen aufrechterhalten. Sie ersetzt weder Mobilfunk noch Festnetz, erweitert aber die Möglichkeiten einer ausfallsicheren Kommunikationsarchitektur. Satellitenkommunikation gehört seit Jahrzehnten zur technischen Ausstattung von Streitkräften, Katastrophenschutzorganisationen und spezialisierten Einsatzdiensten. Im regulären Betrieb der meisten Behörden und KRITIS-Betreiber spielt sie dagegen bislang eine untergeordnete Rolle. Glasfaser, Festnetz und Mobilfunk bieten hohe Übertragungskapazitäten, kurze Reaktionszeiten und eine flächendeckend ausgebaute Infrastruktur. Das Problem liegt in den Abhängigkeiten. Mobilfunkstandorte benötigen Strom und Verbindungen zum Kernnetz. Glasfasertrassen können beschädigt, zentrale Netzkomponenten durch Cyberangriffe beeinträchtigt werden. Fallen mehrere dieser Einrichtungen gleichzeitig aus, helfen nur von diesen Wegen unabhängige Infrastrukturen. Handlungsdruck durch Cyberangriffe Wie ernst die Bedrohung ist, zeigen aktuelle Zahlen europäischer Sicherheitsbehörden. Die Agentur der Europäischen Union für Cybersicherheit (ENISA) registrierte für 2024 insgesamt 188 gemeldete erhebliche Sicherheitsvorfälle in Telekommunikationsnetzen aus 26 EU-Staaten und zwei Staaten der Europäischen Freihandelsassoziation. Im Vorjahr waren es 156 Fälle. Das entspricht einem Anstieg um 20,5 Prozent. Allerdings erfassen diese Zahlen auch technische Fehler und andere Störungsursachen, nicht ausschließlich Cyberattacken. Das Bundeskriminalamt (BKA) meldete für Deutschland im Jahr 2025 insgesamt 36.706 registrierte Distributed-Denialof-Service-Angriffe (DDoS). Gegenüber 2024 bedeutet dies einen Anstieg um 25 Prozent. Bei solchen Angriffen überlasten Täter gezielt erreichbare Netzwerkdienste mit massenhaft erzeugten Anfragen. Besonders betroffen waren Behörden, Verwaltungen sowie Unternehmen aus Verkehr und Logistik. Für die BOS und KRITIS-Betreiber entstehen Risiken, wenn solche Angriffe nicht nur öffentlich erreichbare Webseiten, Satellitenkommunikation bietet die Möglichkeit, Verbindungen auf einem anderen Übertragungsweg wiederherzustellen, wenn terrestrische Kommunikationsanlagen beschädigt sind (Foto: Pixabay)
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