03/2026 Netzwerke Security Kommunikation Smart Technology Laterale Bedrohungen verhindern Mikrosegmentierung gegen moderne Cyberangriffe Aufbruch zu neuen Ufern TKG-Novelle mit Licht und Schatten IT Zeitschriften GbR, Friederike-Fliedner-Weg 34a, 40489 Düsseldorf Glasfaserausbau 2026 Vom Bauprojekt zur industriellen Infrastruktur Multi SIM Router Datenverbindung auch bei Ausfall des Festnetz-Zugangs
4 www.net-im-web.de Inhalt Kommunikationsmanagement Was auf den ersten Blick nach mehr Komfort klingt, entspricht in der Praxis einer Entscheidung über Vertrauen, Risiko und Differenzierung – und damit über Wettbewerbsfähigkeit. Denn sobald KI Gespräche analysiert, Inhalte ableitet oder Entscheidungen vorschlägt, verschieben sich die Fragen weg von „Kann das Tool das?“ hin zu „Dürfen wir das?“ und „Wer kontrolliert die KI? Seite 10 Glasfaser und Netzwerke Die fiberdays entwickeln sich mehr und mehr zur Leitmesse rund um Digitalisierung, digitale Infrastruktur und den Glasfaserausbau. Das Messe- und Kongress-Event für die Telekommunikations- und Digitalbranche findet wieder in Frankfurt statt. Über 300 internationale Aussteller der Glasfaser- und Digitalbranche stellen Innovationen und Dienstleistungen rund um die zukunftssichere Glasfaser vor. Im Rahmen des Konferenzprogramms debattieren Entscheider aus Branche & Politik zu allen wichtigen Themen rund um den Glasfaserausbau sowie zu Branchen-Insights aus Themenkomplexen wie Smart City & Regions, Rechenzentren & Nachhaltigkeit, Tiefbau & Gebäudeverkabelung, 5G-Campusnetze, Start-up-Kooperationen oder Open Access. Es wird immer deutlicher, dass der Ausbau zukunftssicherer Glasfasernetze sowie die Ansiedlung leistungsfähiger Rechenzentren zur Grundlage für die digitale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands in Europa werden. Seite 20 Netze Täglich entstehen in Unternehmen zahllose Daten über verschiedene Kanäle, von denen viele das Business voranbringen und Wettbewerbsvorteile schaffen könnten. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass der Informationsfluss strukturiert und verlässlich verwaltet wird. Das ist eine zentrale Aufgabe für CFOs, die dafür auf Enterprise-Information-Manage- ment-Systeme (EIM) setzen. Wie können sie von den neuen Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz profitieren? Seite 32 Netzbetreiber und -dienste Fast 90 Prozent der Unternehmen hatten im letzten Jahr einen Cybersicherheitsvorfall mit lateraler Bewegung zu verzeichnen. Obwohl mehr als 80 Prozent der Sicherheitsteams angeben, dass sie Tools zur Erkennung und Reaktion einsetzen, dauert es immer noch durchschnittlich 181 Tage, bis eine Sicherheitsverletzung identifiziert wird. Unterdessen beginnen Angreifer bereits nach 51 Sekunden mit der lateralen, also seitlichen Bewegung. Seite 40 03/2026 Netzwerke Security Kommunikation Smart Technology Laterale Bedrohungen verhindern Mikrosegmentierung gegen moderne Cyberangriffe Aufbruch zu neuen Ufern TKG-Novelle mit Licht und Schatten IT Zeitschriften GbR, Friederike-Fliedner-Weg 34a, 40489 Düsseldorf Glasfaserausbau 2026 Vom Bauprojekt zur industriellen Infrastruktur Multi SIM Router Datenverbindung auch bei Ausfall des Festnetz-Zugangs (Titelbild: Frankfurt Pictures, Pexels) (Foto: This is Engineering, Pexels) Kritische Kommunikation Betreiber kritischer Infrastrukturen müssen mit der Verabschiedung des KRITIS- Dachgesetzes ab sofort verbindliche Mindeststandards für den physischen Schutz ihrer Anlagen erfüllen. Das Gesetz setzt die EU-Richtlinie über die Resilienz kritischer Einrichtungen (CER-Richtlinie) in deutsches Recht um und ergänzt die seit 2024 geltenden IT-Sicherheitsanforderungen des NIS-2-Umsetzungsgesetzes. Die größte Herausforderung ist die organi- satorische Wucht der neuen Pflichten. Seite 16 (Foto: Zero Networks) 03/2026 (Foto: Snom, OpenAI/ChatGPT) (Foto: Edwardbrownca, Pixabay/NET)
www.net-im-web.de 7 Nokia und Telekom erweitern Kooperation Nokia und die Deutsche Telekom erweitern ihre Zusammenarbeit, um die Entwicklung von cloudbasierten, disaggregierten und KI-nativen Funkzugangsnetzwerktechnologien (RAN) zu beschleunigen. Das verstärkte „Innovation Cooperation Program” vertieft die gemeinsame Arbeit in den Bereichen CloudRAN, offene Schnittstellen und KI-native RAN-Lösungen der nächsten Generation, die auf die Realisierung leistungsstarker, herstellerunabhängiger Mobilfunknetze abzielen. Die erweiterten Bemühungen unterstreichen das gemeinsame Engagement für die Verbesserung der Netzwerkeffizienz, Programmierbarkeit und langfristigen Betriebswert für Dienstanbieter. Nokia und die Deutsche Telekom verstärken ihre Zusammenarbeit bei der Integration von Open Fronthaul (OFH) und bauen dabei auf früheren Erfolgen bei der Verbin- dung von Nokia-Basisbandgeräten mit O-RAN-kompatiblen Funkgeräten von Drittanbietern in Deutschland auf. Weitere herstellerunabhängige Integrationen für OFH und Cloud RAN sind im Rahmen vertraulicher Entwicklungsprogramme in Arbeit. Die Einführung von Open Fronthaul, cloudbasierte Basisbandgeräte und die Softwarisierung von Netzwerken bleiben wichtige Komponenten der O-RAN-Strategie der Deutschen Telekom. Eine herstellerunabhängige Service Management and Orchestration (SMO)-Plattform ist ein weiterer wichtiger Pfeiler, der eine zentralisierte Steuerung über herstellerunabhängige RAN-Umgebungen hinweg ermöglicht. Beide Unternehmen treiben außerdem O-RAN-konforme Managementfunktionen über offene O1-Schnittstellen voran und erweitern ihre Arbeit auf das Konfigurationsma- nagement und zusätzliche Funktionen, die einen langfristigen herstellerunabhängigen Betrieb unterstützen. Die nahtlose Integration in die interne SMO-Plattform der Deutschen Telekom prägt weiterhin die Vision des Betreibers für ein flexibles und zukunftsfähiges Netzwerkmanagement. Nokia wird mit der Deutschen Telekom als strategischem Co-Creation-Partner für die Entwicklung von AI-Native RAN (AI-RAN) zusammenarbeiten. Die gemeinsame Initiative zielt darauf ab, die Einführung intelligenter und autonomer RAN-Funktionen in Cloud-, Edge- und Funkbereichen zu beschleunigen. Die erweiterte Partnerschaft zielt darauf ab, eine neue Generation leistungsstarker, programmierbarer und KI-gestützter mobiler Netzwerke zu schaffen. Diese sollen in Zukunft deutlich einfacher zu bedienen, schneller anzupassen und besser für zukünftige Konnektivitätsanforderungen optimiert sein. www.nokia.com Unternehmen holen KI wieder nach Hause Die Public Cloud verliert im KI-Zeitalter zunehmend an Bedeutung, wie der aktuelle Enterprise AI Infrastructure Survey 2026 belegt. Laut einer von Cloudian beauftragten Studie haben in den letzten zwei Jahren 93 Prozent der Unternehmen bereits einige KI-Workloads zurück auf ihre lokalen Server verlagert, sind gerade dabei oder planen es. Dafür gibt es drei leicht nachvollziehbare Gründe. Tatsächlich haben vier von fünf (79 %) Unternehmen KI-Workloads von der Public Cloud zurück auf die eigene On-pre- mises-Infrastruktur migriert. Das ergibt die unabhängige Umfrage vom Forschungsunternehmen Centiment, für die 203 Entscheidungsträger im Bereich KI-Strategie, Investments oder Infrastruktur befragt wurden. Rund 73 % der Unternehmen geben an, zukünftig vermehrt auf On-premises- oder Hybride-Infrastrukturen setzen zu wollen. Der Enterprise AI Infrastructure Survey 2026 identifiziert drei zentrale Faktoren, die diese Entwicklung vorantreiben: Bedenken hinsichtlich der Datenhoheit, unvorhersehbare Kosten für die Cloud-Nutzung und Anforderungen an die Echtzeit-Performance. Das Thema Datensouveränität ist mit Abstand der wichtigste Faktor, um auf lokale Server zu setzen. Bei der Implementierung von KI-Anwendungen, die sensible Unternehmensdaten verarbeiten, würden 91 % der Befragten Alternativen zur Public Cloud vorziehen. Zudem stufen rund drei Viertel (74 %) die unkontrollierte Nutzung von Cloud-KI-Tools durch Mitarbeitende als kritisches oder erheb- liches Sicherheitsrisiko ein. Und 58 % berichten, dass Bedenken hinsichtlich des Speicherortes sensibler Daten ihre KI-Initiativen verzögert oder negativ beeinflusst haben. Der dritte Faktor, der für die Nutzung von On-premises-Infrastrukturen spricht, ist die Performance. Für drei Viertel der Befragten (75 %) bieten nur lokale Server eine akzeptable Leistung für aktuelle oder geplante KI-Workloads. https://cloudian.com/de/ TRENDS & FAKTEN Toplink öffnet Cloud-Telefonie für Drittanbieter Ab sofort unterstützt die vPBX von Toplink auch SIP Trunks von Drittanbietern. Damit wird die Lösung erstmals weltweit unabhängig von bestehenden Länderverfügbarkeiten einsetzbar. Die vPBX wird weiterhin zuverlässig in den deutschen Rechenzentren der Toplink betrieben. Durch die neue Offenheit kann die Lösung jedoch nun auch in Ländern genutzt werden, die bisher nicht durch toplink SIP Business abgedeckt waren. Damit entsteht ein globales Einsatzszenario, ohne auf die Sicherheit und Qualität deutscher Infrastruktur verzichten zu müssen. Unternehmen, die noch laufende Verträge mit VoIP Anbietern haben, können ihre neue vPBX sofort produktiv einsetzen. www.toplink.de 03/2026
12 www.net-im-web.de 03/2026 Bernhard Reimann Die Mikrowellentechnik ist seit Jahrzehnten Teil moderner Kommunikationsnetze. Und auch wenn Glasfaser den Ausbau dominiert, bleibt Mikrowellentechnik dort unverzichtbar, wo physische Leitungen an ihre Grenzen stoßen. Ein aktuelles Beispiel aus der Golfregion zeigt, was heute mit präzise geplanten Richtfunkstrecken möglich ist und warum das auch für Europa relevant ist. Bernhard Reimann ist Chefredakteur der NET Funkbrücken über das Meer Mikrowellentechnik verbindet entlegene Regionen lometer lange Mikrowellenverbindung über offenes Meer. Eine technische Herausforderung, denn hohe Luftfeuchtigkeit, salzhaltige Luft und Reflexionen auf der Wasseroberfläche stören die Signalübertragung. Um stabile Verbindungen zu erreichen, wurde mit hoher Sendeleistung, präziser Ausrichtung und sogenannter Space Diversity gearbeitet, also mehreren räumlich getrennten Antennen, die Ausfälle oder Interferenzen kompensieren. Ergebnis waren ein Datendurchsatz von zwei Gigabit pro Sekunde und 100 % Verfügbarkeit über einen Testzeitraum von einem Monat. Grundlage war ein modernes Modulationsverfahren (1024QAM). Dabei werden viele Datenbits in einem einzigen Funksignal gebündelt; je höher die Modulationsstufe, desto effizienter die Bandbreitennutzung (allerdings auch empfindlicher gegenüber Störungen). Dass eine so komplexe Modulation unter tropischen Bedingungen stabil lief, war ein technischer Erfolg. Wichtig für Netzbetreiber Moderne Mikrowellentechnik ist längst kein Notbehelf mehr. Sie ergänzt Glasfaser dort, wo Flexibilität und Geschwindigkeit entscheidend sind. Wichtig ist eine genaue Planung: Frequenzwahl, Antennenhöhe, Umgebungsbedingungen und Systemleistung müssen gut aufeinander abgestimmt werden. Mit dieser Sorgfalt lassen sich selbst über Distanzen von mehr als 20 Kilometern hochverfügbare Verbindungen realisieren. Bedeutung für Deutschland Auch in Europa ist Mikrowellentechnik ein fester Bestandteil moderner Netzarchitekturen. Zahlreiche Mobilfunkstandorte, insbesondere in ländlichen Regionen, sind über Mikrowellenstrecken mit dem Kernnetz verbunden: Hier laufen alle Datenströme zusammen, werden verarbeitet, weitergeleitet und mit dem Internet oder anderen Netzen verknüpft. Beim Ausbau von 5G-Netzen kann Mikrowellentechnik die Rolle des Backhaul, also des Rücktransports der Daten zwischen dem Mobilfunkstandort und dem Kernnetz, übernehmen. Sie lässt sich schneller bereitstellen als Glasfaser und bietet hohe Kapazitäten im Gigabitbereich. Darüber hinaus setzen Energieversorger, Industrieunternehmen und Behörden auf Mikrowellentechnik, beispielsweise zur Anbindung von Offshore-Windparks, Umspannwerken oder entfernten Leitstellen. Ihre Unabhängigkeit von physischer Bodeninfrastruktur macht diese Technologie zu einem wichtigen Baustein für resiliente Kommunikationsnetze und Notfallverbindungen. Baustein für resiliente Netze Mikrowellentechnik schafft stabile Verbindungen, wo Leitungen an ihre Grenzen stoßen, und hilft, die digitale Kluft zwischen zentralen und abgelegenen Regionen zu überbrücken. www.nokia.com Glasfaser gilt zu Recht als ein Rückgrat der Digitalisierung. Doch ihre Verlegung ist aufwendig: große Wasserflächen, felsiger Untergrund oder große Gebiete machen den Ausbau teuer und zeitintensiv. In solchen Fällen kommen Mikrowellenverbindungen zum Einsatz. Sie nutzen elektromagnetische Wellen im Frequenzbereich von etwa 1 bis 40 Gigahertz, um Daten zwischen zwei festen Punkten zu übertragen, meist zwischen Sendemasten oder Antennen. Diese Punkt-zu-Punkt-Verbindungen lassen sich innerhalb weniger Wochen errichten und erreichen inzwischen Datenraten im Gigabitbereich. Ein Netzbetreiber im Golfraum zum Beispiel stand vor der Aufgabe, mehrere abgelegene Inseln an das nationale Tk-Netz anzuschließen. Die Lösung war eine 26 Ki- (Grafik: Nokia) KOMMUNIKATIONSMANAGEMENT
14 www.net-im-web.de 03/2026 Bernhard Reimann Wildix führt die eSIM ein. Die neue Funktion in der Mobility Cloud integriert geschäftliche Mobilanrufe direkt in die Workflows von Unternehmen und schließt damit eine Prozess- und Dokumentationslücke in der Kundenkommunikation. Bernhard Reimann ist Chefredakteur der NET Geschäftliche Telefonie ohne Medienbrüche Mobiltelefonie direkt in Unternehmens-Workflows einbinden matische Verwertung für Vertriebs- und Serviceprozesse. Die Erkenntnisse daraus fließen direkt in die Wildix Sales-Intelli- gence-Umgebung ein und fördern strukturierte Follow-ups, Übergaben und Prozessaktualisierungen. Im Unterschied zu App-basierten Ansätzen setzt Wildix eSIM auf eine einheitliche geschäftliche Identität. Diese bleibt über SIM, mobile Endgeräte, Browser- und Desktop-Umgebungen hinweg konsistent. Präsenzstatus, Routing und Erreichbarkeit werden geräteübergreifend synchronisiert und gewährleisten eine durchgängige Kommunikation. Wildix eSIM richtet sich an Mobile-First-Organisationen und Berufsgruppen, die primär mobil kommunizieren, wie Mitarbeitende im Vertrieb, Außendienst, Gesundheitswesen, der Immobilienwirtschaft, Rechtsberatung sowie Führungskräfte. Neben der einheitlichen Identität über sämtliche Endpunkte gehören zu den zentralen Funktionen der Mobility Cloud auch eine kontextübergreifende Gesprächskontinuität, konsistente Präsenzinformationen, nahtlose Gesprächsübernahme bei Gerätewechsel, RCS-basiertes Business Messaging sowie KI-gestützte Analysefunktionen. Wildix eSIM ist ab sofort über das internationale Wildix Partnernetzwerk verfügbar. Erste Implementierungen belegen eine verbesserte Transparenz mobiler Interaktionen sowie einheitlichere und effizientere Prozesse in der Kundenkommunikation. „Arbeitsprozesse sind heute flexibel und ortsunabhängig. Entsprechend müssen auch Kommunikationskontexte konsistent erhalten bleiben“, erklärt Dimitri Osler, Mitgründer und CIO von Wildix. „Dank der Mobility Cloud müssen Gespräche nicht bei jedem Geräte- oder Standortwechsel neu beginnen, sondern lassen sich nahtlos fortführen und unternehmensseitig weiterverwerten.“ www.wildix.com/de/business-esim Bislang war Mobilkommunikation häufig von den zentralen Unternehmenssystemen abgekoppelt und fand isoliert auf privaten Mobilgeräten statt. Mit der eSIM nutzen Mitarbeitende für geschäftliche Telefonate wie gewohnt den nativen Dialer ihres Smartphones. Die Anrufe, die sie über Wildix eSIM führen, unterliegen nun jedoch denselben unternehmensweiten Steuerungsmechanismen wie stationäre Geschäftskommunikationskanäle. Verfügbarkeits-, Eskalations- und Routing-Regeln greifen konsistent für einen durchgängigen Service auch außerhalb klassischer Contact-Center-Strukturen. Jede mobil geführte Interaktion wird in Echtzeit im System erfasst, dokumentiert und für CRM- oder Sales-Intelligence-Workflows aufbereitet. Dank Sprach-KI lassen sich Telefonate in Echtzeit transkribieren, zusammenfassen und analysieren. Funktionen wie Sentiment-Analyse und strukturierte Ergebniserfassung erleichtern die systeKOMMUNIKATIONSMANAGEMENT Neue Fixed-Mobile-Convergence-Lösung integriert native Mobiltelefonie direkt in Unternehmens-Workflows – transparent, mit CRM-Anbindung und ohne App-Zwang (Foto: Wildix)
16 www.net-im-web.de 03/2026 KRITIS-Dachgesetz beschlossen Was Betreiber kritischer Infrastrukturen jetzt wissen müssen KRITISCHE KOMMUNIKATION Bernhard Reimann ist Chefredakteur der NET Bernhard Reimann Betreiber kritischer Infrastrukturen müssen mit der Verabschiedung des KRITIS-Dachgesetzes ab sofort verbindliche Mindeststandards für den physischen Schutz ihrer Anlagen erfüllen. Das Gesetz setzt die EU-Richtlinie über die Resilienz kritischer Einrichtungen (CERRichtlinie) in deutsches Recht um und ergänzt die seit 2024 geltenden IT-Sicherheitsanforderungen des NIS-2-Umsetzungsgesetzes. größte Herausforderung ist dabei nicht allein der bessere Objektschutz, sondern die organisatorische Wucht der neuen Pflichten. Risikoanalysen, Notfallpläne, Meldewege und Maßnahmen zur Ausfallsicherheit müssen überprüft, dokumentiert und laufend angepasst werden. Das kostet Zeit, Personal und Geld – gerade in Branchen, die ohnehin unter Fachkräftemangel leiden. Hinzu kommt die Unsicherheit bei der praktischen Umsetzung: Viele Unternehmen müssen erst klären, welche Anlagen konkret erfasst sind und wie weit ihre Vorsorge reichen muss. Für Betreiber bedeutet das Gesetz deshalb einen tiefen Eingriff in bestehende Abläufe. Wer bislang Sicherheit vor allem als IT-Thema verstanden hat, muss nun physische Resilienz, Krisenmanagement Nach mehrjähriger Verzögerung hat der Bundestag am 29. Januar 2026 das KRITIS-Dachgesetz beschlossen. Das Gesetz schafft erstmals bundeseinheitliche Mindeststandards für den physischen Schutz kritischer Anlagen und ergänzt damit die bereits etablierten IT-Sicherheitsanforderungen. Betroffen sind elf Sektoren: Energie, Transport und Verkehr, Finanz- und Versicherungswesen, Gesundheit, Trinkwasser, Abwasser, Siedlungsabfallentsorgung, Informationstechnik und Telekommunikation, Ernährung, Weltraum sowie Öffentliche Verwaltung. Grundsätzlich fallen Unternehmen unter das Gesetz, die mehr als 500.000 Menschen versorgen – die Bundesländer können jedoch eigenständig niedrigere Schwellenwerte festlegen. Energieversorger, Kliniken, Verkehrsunternehmen oder Wasserbetriebe müssen sich auf strengere, sektorübergreifende Mindeststandards einstellen. Die Die größte Herausforderung bei der Umsetzung des KRITIS-Dachgesetzes ist nicht allein der bessere Objektschutz, sondern die organisatorische Wucht der neuen Pflichten (Foto: Edwardbrownca, Pixabay/NET)
17 www.net-im-web.de 03/2026 und staatliche Berichtspflichten viel enger verzahnen. Zugleich steigt der Abstimmungsbedarf mit Behörden, Dienstleistern und Zulieferern. Pflichten im Überblick Mit dem Gesetz schafft der Gesetzgeber erstmals ein einheitliches, sektorübergreifendes Rahmenwerk zum Schutz kritischer Infrastrukturen. Für Unternehmen bedeutet das konkret: verbindliche Risikomanagement-, Schutz- und Meldepflichten sowie eine deutlich höhere Verantwortung der Geschäftsleitung. Betreiber müssen künftig nachweisen, dass Risiken systematisch identifiziert und bewertet werden, geeignete technische und organisatorische Schutzmaßnahmen etabliert sind und Sicherheitsvorfälle fristgerecht gemeldet werden. Compliance-Risiko alte Systeme Viele mittelständische Unternehmen setzen noch auf Zutrittskontroll- und Zeiterfassungssysteme, die zehn Jahre oder älter sind. Diese Systeme weisen häufig erhebliche Schwachstellen auf: Ersatzteile sind nicht mehr verfügbar, Software-Updates werden nicht mehr bereitgestellt, und moderne Sicherheitsfeatures wie verschlüsselte Leserprotokolle werden nicht unterstützt. Mit dem nun beschlossenen KRITIS-Dachgesetz wird der Lifecycle-Status der eingesetzten Hardware zum entscheidenden Faktor. Betreiber kritischer Infrastrukturen müssen nachweisen können, dass ihre Systeme dem aktuellen Stand der Technik entsprechen – veraltete Hardware wird damit zum Compliance-Risiko. Sieben Handlungsfelder Um die Anforderungen des KRITIS-Dachgesetzes systematisch umzusetzen, sollten Betreiber kritischer Infrastrukturen folgende sieben Bereiche gezielt angehen: • Grundlagen- und Risikoanalyse: Im ersten Schritt muss geklärt werden, ob das Unternehmen überhaupt unter die KRITIS-Definition fällt. Anschließend sind alle kritischen Gebäude, Räume und Prozesse zu identifizieren. Eine umfassende Risiko- und Schwachstellenanalyse bildet die Grundlage für alle weiteren Maßnahmen. Dabei sollten nicht nur aktuelle Bedrohungen, sondern auch die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und der Lifecycle-Status der eingesetzten Systeme geprüft werden. • Physische Zutrittssicherung: Der Perimeter muss durch Zäune, Schranken und Drehkreuze gesichert werden. Gebäudeeingänge und Hochsicherheitsbereiche wie Rechenzentren oder Prototypenwerkstätten erfordern elek- tronische Zutrittslösungen. Die Integration mechanischer und elektronischer Zugangssysteme in einer einheitlichen Plattform ermöglicht eine zentrale Überwachung und Steuerung. • Zutrittsverwaltung und Berechtigungsmanagement: Die zentrale Vergabe und der Entzug von Zutrittsrechten müssen über workflow-gesteuerte Prozesse erfolgen. Antrags- und Genehmigungsprozesse sollten digitalisiert und lückenlos dokumentiert werden. Die Schließanlagenverwaltung mit Sicherungskarten und Schlüsselprotokollen stellt sicher, dass auch mechanische Zutritte nachvollziehbar bleiben. • Automatisierte Türsysteme und Integration: Moderne Türsysteme ermöglichen die Überwachung des Türzustands in Echtzeit. Für die Betriebssicherheit sind zudem das Verhalten bei Stromausfall, die jeweiligen Widerstandsklassen und die Integration in zentrale Management-Plattformen entscheidende Faktoren. Digitale Planungstools unterstützen dabei, Zutrittspunkte normgerecht auszulegen. • Service und Lifecycle-Management: Regelmäßige Wartungen, Updates und Lifecycle-Checks stellen sicher, dass die Systeme dauerhaft funktionsfähig bleiben. Schulungen sensibilisieren das Personal für Sicherheitsrisiken. Die Lieferkettenkommunikation sowie die vollständige Dokumentation aller Maßnahmen sind essentiell für Audits. • Resilienz, Notfall- und Krisenmanagement: Notfallprotokolle definieren, wie die Betriebsfähigkeit im Ernstfall aufrechterhalten wird. Zutrittsfreigaben für Einsatzkräfte und die Priorisierung kritischer Bereiche müssen vorab festgelegt werden. Regelmäßige Tests und Szenarien – etwa Evakuierungssimulationen – stellen die Wirksamkeit der Maßnahmen sicher. • Compliance und Reporting: Die lückenlose Protokollierung aller Zutrittsvorgänge, Audit-Logs und revisionssichere Reports sind Pflicht. Security Health Checks (SHC) bewerten regelmäßig den Status der Systeme und identifizieren Modernisierungsbedarf. Die Integration physischer, organisatorischer und digitaler Maßnahmen in ein übergeordnetes Sicherheitskonzept rundet die Compliance ab. „Die Kombination aus physischen Sicherheitslösungen und intelligenter Software ist der Schlüssel zu einer effizienten KRITIS-Compliance. Unternehmen benötigen eine einheitliche Plattform, die mechanische, mechatronische und elektronische Zutritte in einem System verwaltet und sich nahtlos in bestehende HR-, IT- und Gebäudemanagementsysteme einfügt“, betont Jochen Moll, Geschäftsführer bei Atoria. „Es braucht also eine durchgängige Lösung, die von der Hardware wie Türsysteme, Zutrittskontrollkomponenten und Schließanlagen über die zentrale Management-Software bis hin zu digitalen Planungstools und Security Health Checks alles umfasst. Eine modular aufgebaute Lösung hilft zudem dabei, schrittweise zu modernisieren und dabei den laufenden Betrieb aufrechtzuerhalten.“ www.proalpha.com KRITIS-Dachgesetz beschlossen
30 www.net-im-web.de 03/2026 GLASFASER UND NETZWERKE Bernhard Reimann ist Chefredakteur der NET Bernhard Reimann Bei rund 24 Millionen Haushalten in Deutschland sind Glasfaserleitungen bis an die Grundstücksgrenze verlegt, tatsächlich angeschlossen sind aber erst rund 13 Millionen. Der Grund: Der Glasfaserausbau in Gebäuden war bislang nicht ausreichend definiert. Die neue VDE Leitlinie 0800-730 schafft nun eine technische Grundlage, die noch dazu den Ausbau vereinfacht, beschleunigt und Kosten einspart. Vereinfachung beim Glasfaserausbau VDE Leitlinie 0800-730 spart Kosten beim Ausbau in Gebäuden Die Datenübertragung via Glasfaser ist um ein Vielfaches schneller, wesentlich stabiler und energieeffizienter als die Übertragung per Kupferkabel. Zudem gibt es kaum Latenzen, also Verzögerungen bei der Übertragung. Damit wird der Glasfaserausbau zum Schlüssel für alle Zukunftsanwendungen im Bereich Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Thomas Sentko, Normungsmanager Breitband, Glasfaser- & Steckverbinder-Technologie im VDE, erklärt: „Deutschland will mittelfristig die Internetversorgung per Kupferkabel durch Glasfaser ersetzen. Derzeit werden laut Bundesverband Breitbandkommunikation e.V. aber nur rund 7 Millionen Glasfaseranschlüsse aktiv genutzt, das ist viel zu wenig. Deshalb haben sich die Marktteilnehmenden auf die neue VDE Leitlinie 0800-730 zur Installation in Gebäuden verständigt, um Sicherheit zu schaffen und den Ausbau zu beschleunigen.“ Die Leitlinie beschreibt die Umsetzung der Anforderungen aus dem EU GIA, die derzeit in bundesrechtliche Vorgaben überführt werden. Leitlinie vereinfacht das Bauen Bislang waren Glasfasern in der MusterRichtlinie über brandschutzrechtliche Anforderungen an Leitungsanlagen (MLAR) so zu behandeln, als ob sie wie elektrische Kabel eine intrinsische Brandgefahr bergen. Aufgrund dieser technisch falschen Festlegung war eine Installation in Fluchtwegen nur mit einem Brandschutzkanal erlaubt, eine teure und aufwändige Lösung. Alternativ wurden Steigebereiche genutzt, was bei weitem nicht in allen Gebäuden möglich ist. Bei der Arbeit an der VDE Leitlinie 0800-730 im DKE Arbeitskreis DKE/ AK 412.6.7 wurde unter anderem dieses Problem identifiziert und in die laufende Überarbeitung der MLAR eingespeist. Die neue MLAR-Version wird festhalten, dass Glasfasern mit Gebäudeklassifikation in einem Metallkanal oder als Klebefasern in Fluchtwegen verlegt werden können. „Da die MLAR hochkomplex ist, war unser Anspruch bei der Erarbeitung der Leitlinie, die technischen Anforderungen praxisnah und verständlich darzulegen“, so Sentko. „Somit können Glasfasern künftig einfach, kostengünstig und zeitsparend verlegt werden.“ An der Entwicklung der Leitlinie waren über 30 Experten aus den Bereichen Netzbetrieb, Planung und Installation sowie verschiedene Gutachter beteiligt, um die Thematik umfassend zu behandeln. Glasfaserausbau vorantreiben Seit 2019 hat die DKE Qualitätsstandards für Glasfasern erarbeitet, da es bis zu diesem Zeitpunkt nur unzureichende normative Grundlagen gab. Das Ergebnis war die VDE Leitlinie 0800-720, die verbindliche Qualitätskriterien definiert und dafür sorgt, dass Installationen zuverlässig sind und eine hohe Lebensdauer aufweisen. Auch mit den VDE Leitlinien zur Qualifikation von Infrastrukturfachkräften in der Initiative Gremienverbund Breitband (IGVB. net) hat die Normungswelt praxisnahe Grundlagen geschaffen, um den Glasfaserausbau konsequent voranzutreiben und zu beschleunigen. www.vde.com www.dke.de (Foto: Intelligent Visualdesign, Pixabay)
www.net-im-web.de 31 03/2026 EINSCHALTEN. MESSEN. FEHLER FINDEN. Die ARGUS® F-Serie – Fibertester für schnelle Diagnosen im FTTH-Service Fehler lokalisieren, Anschlüsse prüfen und Ergebnisse dokumentieren – ohne Gerätewechsel und unnötige Zweitanfahrten Startbereit in 16 Sekunden – One-TouchMessung mit Direkttests für einen schnellen, intuitiven Messstart GPON, XGS-PON, Optical Power Meter, PON-ID und IP-Speedtests bis zu 10 Gbit/s Besuchen Sie uns auf den fiberdays in Frankfurt a. M. | 25. & 26.03.2026 | Halle 3.1, Stand A17 intec Gesellschaft für Informationstechnik mbH | Tel.: 02351 9070-0 | E-Mail: sales@argus.info | www.argus.info | www.fibertester.de GLASFASER UND NETZWERKE Standortfaktor Internet 78 Prozent der Unternehmen würden für mehr Bandbreite umziehen Bernhard Reimann Leistungsfähige Glasfaseranschlüsse werden immer stärker zum Kriterium bei Standortwahl. Fehlt schnelles Internet, ziehen viele Firmen sogar einen Umzug in Betracht. Das belegt die aktuelle YouGov-Studie „Digitalisierung 2026“ im Auftrag von 1&1 Versatel, für die 533 Entscheidungsträger in deutschen Unternehmen befragt wurden. Die Verfügbarkeit von Glasfaser verbessert sich spürbar: Nur noch 25 Prozent der befragten Unternehmen bemängeln eine fehlende Glasfaser-Verfügbarkeit am Standort. Vor zwei Jahren waren das noch 37 Prozent. Auch die wirtschaftliche Bedeutung schneller Netze zeigt sich besonders deutlich in der Standortfrage: 78 Prozent der Unternehmen würden einen Umzug in Erwägung ziehen, wenn am aktuellen Standort kein Zugang zu leistungsstarkem Internet besteht. „Glasfaser ist heute Teil der Standortqualität – ähnlich wie die Verkehrsanbindung oder Energieversorgung“, sagt Frank Rosenberger, CEO von 1&1 Versatel. „Unternehmen erwarten leistungsfähige Netze, wenn sie investieren oder wachsen wollen. Regionen, die das bieten, verschaffen sich klare Vorteile im Wettbewerb um Firmen und Fachkräfte.“ Der Bedarf steigt weiter: Zwei Drittel der Unternehmen, die heute keinen Glasfaseranschluss haben, erwarten diesen innerhalb der nächsten fünf Jahre zu benötigen. Das zeigt, immer mehr Betriebe rechnen in den kommenden Jahren fest mit einem Glasfaseranschluss – getrieben durch Cloud-Anwendungen, KI, mobiles Arbeiten und standortübergreifende Zusammenarbeit. Anbieterauswahl entscheidend Ein weiteres zentrales Ergebnis: 83 Prozent der Unternehmen legen bei Glasfaser Wert auf die Auswahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Telekommunikationsanbietern. Besonders ausgeprägt ist dieser Wunsch bei Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern (87 Prozent). „Diese Zahlen sind ein klares Signal für den Wettbewerb im Glasfasermarkt. Unternehmen wollen keine regionalen Abhängigkeiten, sondern passgenaue Lösungen mit bundesweiter Verfügbarkeit. Deutschland braucht eine leistungsstarke und übersichtliche Glasfaser-Infrastruktur, und dafür tragen wir als Telekommunikationsanbieter eine besondere Verantwortung“, so Rosenberger. www.1und1.net
46 www.net-im-web.de 03/2026 NETZBETREIBER UND -DIENSTE ITSM und Kubernetes – das passt? Umstrukturierung beim Landesamt für Finanzen Mecklenburg-Vorpommern Bernhard Reimann ist Chefredakteur der NET Bernhard Reimann Manchmal muss es schnell gehen: Nachdem das Landesamt für Finanzen Mecklenburg-Vorpommern 2023 die ITSM-Software KIX mit der Container-Anwendung Docker eingeführt und ausgebaut hatte, kam es knapp zwei Jahre später zur nächsten großen Veränderung. Das Hosting sollte nun der IT-Landesdienstleister übernehmen, der jedoch mit Kubernetes arbeitet. Damit begann nicht nur ein forderndes Projekt, sondern auch ein zeitkritisches. Innerhalb von zwei Monaten sollte der Übergang ablaufen, zu allem Überfluss auch noch über Weihnachten und den Jahreswechsel hinweg. „Ich hatte immer das Bild einer Kastanie im Kopf, aus der langsam ein Baum wächst“, sagt Jan Winkler. Der 42-Jährige ist Leiter des Dezernats für IT-Grundsatz und IT-Service beim Landesamt für Finanzen Mecklenburg-Vorpommern (LAF). Und eigentlich kein ITler, sondern Sozialpädagoge – lange Zeit hat er in der Strafjustiz gearbeitet. Dann wurde es jedoch Zeit für neue Herausforderungen, und die IT bot ihm diese. Deshalb blickt er oft etwas anders als seine Kollegen auf die IT, die Prozesse oder das Servicemanagement. Im IT-Service des LAF gab es noch kein Ticketsystem, sodass das Servicemanagement bestmöglich mit Office-Tools realisiert wurde. Das wollte Jan Winkler ändern: „Das Servicemanagement zu modernisieren, ist eine Organisationsveränderung und hat in meiner Welt weniger mit IT zu tun. Und da die Routinen gefühlt in Stein gemeißelt sind, wollten wir unsere rund 350 Mitarbeiter möglichst einfach an diese Veränderung heranführen – ‚keep it simple and stupid‘ war unser Motto.“ Ein holpriger Wechsel hätte weitreichende Folgen gehabt, da sich die Behörde um ganz verschiedene Aufgaben kümmert. Darunter die Auszahlung der Bezüge an Angestellte, Beamte und Versorgungsempfänger, die Reisekostenbearbeitung oder den Einzug öffentlicher Forderungen. Der ITSM-Baum wächst Winkler und seine damals vier Kollegen im IT-Dezernat entschieden sich für die Einführung der Open Source IT-ServiceManagement-Software KIX. Im Frühjahr 2023 war die Implementierung abgeschlossen. Einfach anfangen wollten sie, Dinge ausprobieren, an den Herausforderungen wachsen und sich auch von Fehlern und Rückschlägen nicht aus der Bahn werfen lassen. Sie bereiteten IT-intern sozusagen KIX hat sich zum maßgeblichen Arbeitsinstrument des IT-Services entwickelt. Das Dezernat nutzt es heute etwa für die technische Dokumentation, das Vertragsmanagement, Nut- zeranleitungen sowie das Störungs- und Assetmanagement
47 www.net-im-web.de 03/2026 den Boden vor, aus dem der von Jan Winkler vorgestellte Kastanienbaum wachsen sollte. In den Monaten danach bildete dieser Baum schon die ersten neuen Zweige: Kollegen aus dem IT-Service spezialisierten sich auf ihre favorisierten Bereiche, etwa das Management von Zertifikaten. Und auch andere Teile der Behörde nahmen interessiert Anteil an dem, was in seinem Dezernat aufgebaut wurde. Wichtig war für Jan Winkler vor allem, sich nicht hinter der IT-Lösung zu verstecken, sondern als Mensch sichtbar zu bleiben – trotz eines zentralen Eingangskanals sind er und seine Kollegen auch heute noch direkt erreichbar. So hat sich KIX zum maßgeblichen Arbeitsinstrument des IT-Services entwickelt. Das Dezernat nutzt es heute unter anderem für die technische Dokumentation, das Vertragsmanagement, für Nutzeranleitungen sowie das Störungs- und Assetmanagement. Während das Team um Jan Winkler im ersten Jahr mit KIX bereits 1.750 Tickets und 1.500 Assets bearbeitet bzw. in die Datenbank aufgenommen hatte, ist die Zahl inzwischen auf 2.600 Tickets und 2.800 Assets gestiegen. Die Zeit drängt Beim LAF lief KIX seit der Einführung onprem auf hauseigenen Servern. Zwei seiner Kollegen waren für die Administration verantwortlich. Ende 2024 wollte sich einer von ihnen beruflich neu orientieren, der andere stand kurz vor der Rente. Für Jan Winkler ein gewaltiges Problem, sein Baum hatte quasi Feuer gefangen. KIX war in den Monaten zuvor zu einem sogenannten kritischen Fachverfahren des IT-Services erwachsen, und der Betrieb brauchte ein hohes Maß an Sicherheit, inklusive BSI-Grundschutz und Security-Konzept. Im ersten Schritt wandte sich Jan Winkler deshalb an den IT-Landesdienstleister Mecklenburg-Vorpommerns, das DVZ. Und der Austausch verlief positiv. Erfahrungen mit Container-Lösungen gab es hier schon in einem großen Maße, und auch die Sicherheitsvorgaben stellten kein Hindernis dar. Der einzige Haken: Das DVZ arbeitet zur Verwaltung von Container-Anwendungen mit Kubernetes, während KIX beim LAF mit dem System Docker betrieben wurde. Im November 2024 meldete sich Jan Winkler deshalb bei KIX Service Software. Bis Ende Januar 2025 musste das Projekt abgeschlossen sein, weil ja die beiden Kollegen später nicht mehr dran arbeiten könnten. Von Docker zu Kubernetes „Bei den meisten Kunden und Partnern läuft unsere ITSM-Software auf Docker, Kubernetes war bisher eher die Ausnahme. Wir sehen aber, dass unsere Kunden immer öfter Lösungen suchen, die sozusagen Enterprise-ready sind“, berichtet René Böhm, Mitgründer und Head of Research & Development von KIX Service Software. Und ergänzt: „Das ist aber nicht nur bei uns so. Docker gehört weltweit zu den verbreitetsten Tools in diesem Bereich, da die Anwendung recht simpel ist.“ Durch die Vorarbeit des IT-Landesdienstleisters gab es bereits Helm-Charts, also eine Datei-Sammlung für den Betrieb mit Kubernetes. Problematisch war jedoch, dass die Start- und Update-Routinen in den KIX-Images noch nicht mit Kubernetes kompatibel waren. Zudem mussten René Böhm und seine Kollegen die nötige Entwicklungs-, Test- und Deployment-Infrastruktur schaffen. „Und das kurz vor Weihnachten, mit allen Feier- und Urlaubstagen. Natürlich stellten wir uns der Aufgabe, aber trödeln konnten wir wirklich nicht“, so Böhm. Mission erfüllt, die Reise geht weiter „Ich bin wirklich dankbar dafür, wie flexibel und zielstrebig die Teams von KIX und vom DVZ auf unser herausforderndes Anliegen reagiert haben. Ich weiß, dass es auch für sie keine alltägliche Aufgabe war, und ich bin beeindruckt, wie sie sich trotz des engen Zeitplans reingefuchst haben“, resümiert Jan Winkler. René Böhm ergänzt: „Wir haben während des Projekts selbst viel gelernt. ITSM und Kubernetes schließen sich nicht aus, sondern harmonieren wunderbar. Wenn die Vorarbeit und die Anpassungen stimmen, kann die Kombination für Bereiche mit sehr hohen Sicherheitsanforderungen optimal sein.“ Abschließend sagt Jan Winkler: „Wenn ich das Große und Ganze beurteile, stelle ich fest, dass seit dem Start mit KIX vieles besser geworden ist. Wir bearbeiten dank der Tickets strukturierter, personenunabhängiger und besser dokumentiert. Unsere Prozesse werden zunehmend effektiver. Zu sehen, wie der ITSM-Baum wächst, ist einfach klasse. Und wenn er bei außergewöhnlichen Ereignissen mal brennt, haben wir mit den Teams von KIX und vom DVZ jederzeit die Feuerwehr an unserer Seite.“ ITSM und Kubernetes – das passt? Während das Team um Jan Winkler im ersten Jahr mit KIX bereits 1.750 Tickets und 1.500 Assets bearbeitete, ist die Zahl inzwischen auf 2.600 Tickets und 2.800 Assets gestiegen (Fotos: LAF)
49 www.net-im-web.de tML-Breakoutmodul für Highspeed-Ethernet Die neuen tML-Breakoutmodule von trans data elektronik unterstützen ab sofort Transceiver bis 800GbE. Es lassen sich nun QSFP-, QSFP-DD- und OSFP-Transceiver noch effizienter nutzen und in Ports mit geringerer Datenrate (4 x 100GbE oder 8 x 100GbE) aufsplitten. Dadurch können Betreiber von Rechenzentren und Netzwerken die Portdichte ihrer Switch- und Router-Chassis deutlich erhöhen und die vorhandene Hardware wesentlich besser ausnutzen. Typische Anwendungen wie SR4, DR4 und FR4 nutzen dabei acht Fasern des 12-Faser-MPO und SR8, DR8 und FR8 sechzehn Fasern eines 16- oder 24-Faser-MPO. Hier setzt tde mit den tML-Breakoutmodulen an: Die Module splitten die ankommende Übertragungsrate je nach Anwendung beispielsweise in vier 100GbE oder acht 100GbE Kanäle mit LC-Duplex-Anschlüssen auf. So lassen sich aus einem Highspeed-Port mehrere dedizierte Links mit geringerer Datenrate bereitstellen – etwa für Switches, Router oder Storage-Systeme. Alternativ sind Sonderausführungen mit anderen Steckgesichtern wie MDC, SN, SC oder E2000 möglich. Die MPO-Verbindungen werden direkt von vorne über Patchkabel gesteckt. www.tde.de One Box Tester CMX500 von Rohde & Schwarz Der CMX500 One-Box-Signalisierungstester von Rohde & Schwarz hat sich zu einer vielseitigen All-in-One-Plattform für NTN-Tests entwickelt. Er unterstützt NR-NTN, NB-NTN sowie Direct-to-Cell-Technologien (D2C, DTC) in einem einzigen Gerät. Mit dem CMX500 können Benutzer jetzt sämtliche NTN-Technologien sowohl auf Netzwerk- als auch Geräteebene testen, ohne mehrere Geräte zu benötigen. Dadurch lassen sich die Entwicklungsprozesse beschleunigen, die Qualität neuer NTN-Dienste sicherstellen und deren zuverlässige Markteinführung unterstützen. Der CMX500 unterstützt zwei primäre Testkonfigurationen: vollständige SAN-Emulation (Satellite Access Network) für Gerätehersteller, die die komplette NTN-Architektur für umfassende Gerätetests simulieren möchten, und gNB- und 5G-Kernnetz-Emulation für Satellitennetzbetreiber, die Satellitennetzkomponenten gegen standardkonforme zellulare Technologien validieren müssen. Das Gerät unterstützt NTN-Konformitätstests sowie Netzbetreiber-Abnahmetests und bietet die größte Anzahl validierter Testfälle für NR-NTN gemäß 3GPP Rel.17. wwww.rohde-schwarz.com/cmx-ntn (Foto: R&W) (Foto: tde) Dual-WAN-Router Peplink Balance 310 Die Vitel GmbH, ein Value Added Distributor (VAD) mit Fokus auf IT- und Netzwerklösungen, erweitert ihr Sortiment an leistungsstarken Produkten um den Router Balance 310 von Peplink. Das Gerät ist mit zwei 2,5G-Ethernet-WAN-Anschlüssen ausgestattet und unterstützt High-Speed-Internetdienste. Mit einem Durchsatz von bis zu 1 Gbit/s – sowohl unverschlüsselt als auch AES 256-Bit-verschlüsselt – stellt der Router sichere High-SpeedVerbindungen über VPN bereit und sorgt für stabile, zuverlässige Verbindungen. Das lüfterlose Design des Balance 310 sorgt für einen leisen und langlebigen Betrieb. Durch SpeedFusion profitieren Anwender von einem hohen Durchsatz und effizienten Bonding, wodurch stets die benötigte Bandbreite bereitsteht. Der Balance 310 unterstützt die Bündelung unterschiedlicher Verbindungen. Neben Breitbandverbindungen lassen sich beispielsweise 5G über den Peplink HD1 Dome Pro oder Starlink als zusätzliche High-Speed WAN-Verbindung integrieren. https://vitel.de PRODUKTE PTFE Hybridkabel für kritische Infrastrukturen Der sichere Betrieb kritischer Infrastrukturen erfordert zuverlässige Verbindungslösungen, die auch unter extremen Bedingungen dauerhaft funktionieren. Die PTFE-isolierten Hybridkabel der Telemeter Electronic GmbH wurden genau dafür entwickelt und kombinieren hohe elektrische Performance mit maximaler Betriebssicherheit. Die Kabel sind als mehradrige Lösung erhältlich, sowohl in bewährten Standardausführungen als auch als kundenspezifische Konstruktionen. Dazu gehören unter anderem Twinax-, Triax- und Quad-Kabel, die eine störungsarme Signal- und Datenübertragung ermöglichen, sowie individuell ausgelegte Mehraderkabel, die optimal zu jeglichen Anwendungen passen. Je nach Anforderung lassen sich Einzeladern in unterschiedlichen AWG-Größen flexibel kombinieren. Die eingesetzte PTFE-Isolation sorgt für eine hohe Temperaturbeständigkeit, eine ausgezeichnete elektrische Isolation sowie eine hohe chemische Resistenz. www.telemeter.info (Foto: Telemeter) (Foto: Vitel) 03/2026
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