10/2026 5G-Campusnetze auf der PMRExpo Lokale Netze für kritische Betriebsprozesse IT Zeitschriften GbR, Friederike-Fliedner-Weg 34a, 40489 Düsseldorf Bachup für den Kriesenfall SAT-Kommunikation für BOS und Kritische Infrastrukturen Gefahren durch harmlose Geräte Wenn die IP-Kamera zum Sicherheitsrisiko wird Kritische Netzinfrastrukturen OT-Dienstleister sorgen für sicheren Netzbetrieb Netzwerke Security Kommunikation Smart Technology
4 www.net-im-web.de Inhalt Kommunikationsmanagement Behörden, Energieversorger und viele Unternehmen haben eigene Funklösungen für den Fall, dass die öffentlichen Netze ausfallen: BOS-Digitalfunk, das 450-MHzNetz der Energiewirtschaft, Betriebsfunk. Diese Systeme sind wertvoll, aber sie brauchen eigene Infrastruktur. Wer Stand- orte über Landkreise oder Bundesländer hinweg verbinden muss, wenn nichts mehr steht, landet bei der Kurzwelle. Seite 10 Sicherheit für NOC/SOC Network Operation Center (NOC) und Security Operation Center (SOC) steuern und überwachen zentrale Funktionen moderner Kommunikationsnetze. Genau das macht sie für Cyberkriminelle besonders interessant. Über kompromittierte Managementsysteme können Angreifer weitreichende Zugriffsrechte erlangen, Sicherheitsfunktionen manipulieren oder ganze Netzbereiche beeinträchtigen. Die Bedrohungslage in Deutschland und Europa bleibt angespannt. Betreiber müssen daher insbesondere ihre administrativen Zugänge absichern und den Netzbetrieb auch für den Fall eines erfolgreichen Angriffs vorbereiten. Seite 25 Netze Die Anforderungen an moderne Rechenzentren verändern sich derzeit grundle- gend. Künstliche Intelligenz, High-Performance Computing, Cloud-Plattformen und Hyperscale-Infrastrukturen treiben Bandbreiten und Portdichten auf ein Niveau, das noch vor wenigen Jahren als Zukunftsvision galt. Bereits heute sind 400G- und 800G-Anwendungen etabliert, während 1,6-Tbit/s-Systeme in den Roadmaps der Netzwerktechnik fest verankert sind. Seite 41 Netzbetreiber und -Dienste Netzsegmentierung gehört zum Standardrepertoire der IT-Sicherheit. Eine Auswertung von 47.700 Netzsegmenten belegt allerdings, wie weit Konzept und Betrieb häufig auseinanderliegen. Vermeintlich harmlose Geräte wie IP-Kameras teilen sich ihr Netz regelmäßig mit Workstations und Servern und eröffnen Angreifern damit einen bequemen Umweg an etablie- rten Schutzmechanismen vorbei. Seite 43 10/2026 5G-Campusnetze auf der PMRExpo Lokale Netze für kritische Betriebsprozesse IT Zeitschriften GbR, Friederike-Fliedner-Weg 34a, 40489 Düsseldorf Bachup für den Kriesenfall SAT-Kommunikation für BOS und Kritische Infrastrukturen Gefahren durch harmlose Geräte Wenn die IP-Kamera zum Sicherheitsrisiko wird Kritische Netzinfrastrukturen OT-Dienstleister sorgen für sicheren Netzbetrieb Netzwerke Security Kommunikation Smart Technology (Titelbild: Edwardbrownca, Pixabay) (Foto: Rosenberger OSI) Kritische Kommunikation Die Entwicklungsrate steigt, Tech-Giganten streichen die Zahl ihrer Entwickler massiv zusammen. Der Grund hierfür liegt im zunehmenden Einsatz der KI zum Zwecke der Generierung von Code. Was zunächst nach steigender Effizienz klingt, wirft zunehmend Fragen der Sicherheit auf – nicht nur, was die Qualität der Ergebnisse angeht, sondern auch hinsichtlich der Hoheit und Verfügbarkeit der Daten bei der Nutzung von DevOps-Plattformen. Benötigt werden neue Lösungen zur Sicherstellung der Integrität. Seite 20 (Foto: Forescout) 10/2026 (Foto: Paologhedini, Pixabay) (Grafik: Xopero) (Foto: Mikhail Nilov, Pexels)
6 www.net-im-web.de PERSONEN Konstantin Elsässer leitet das BITMiHauptstadtbüro Christophe Canguilhem übernimmt bei Stormshield Stefan Hermes verstärkt Vorstand der BREKO eG Christoph Kull wird neuer CEO von 1&1 Versatel Jessica Andresen übernimmt die Geschäftsführung von Proalpha Schweiz Silvie Guardiola und Maik Goldschmidt übernehmen bei Herweck Das Hauptstadtbüro des Bundesverbands IT-Mittelstand e. V. (BITMi) steht unter neuer Leitung. Konstantin Elsässer hat die Verantwortung für die politische Interessenvertretung des Verbands in Berlin übernommen. Elsässer ist bereits seit einem Jahr als politischer Referent für den BITMi tätig und mit den zentralen Anliegen der mittelständischen IT-Wirtschaft bestens vertraut. In seiner neuen Funktion koordiniert Elsässer die politische Arbeit des Verbands und wird den Austausch mit Abgeordneten, Ministerien sowie weiteren politischen Ansprechpartnern weiter ausbauen. Im Mittelpunkt steht dabei die Stärkung des IT-Mittelstands. Zum 1. Januar 2027 tritt Christophe Canguilhem die Nachfolge von Pierre-Yves Hentzen als Präsident und CEO von Stormshield an. Um eine reibungslose und geordnete Übergabe zu gewährleisten, ist eine dreimonatige Übergangsphase vorgesehen. In dieser Zeit wird Christophe Canguilhem eng mit dem derzeitigen Präsidenten von Stormshield, Pierre-Yves Hentzen, arbeiten, bevor er sein Amt am 1. Januar 2027 offiziell übernimmt. Zum 1. Januar 2027 wird dann Pierre-Yves Hentzen im Rahmen des weiteren Ausbaus der Cybersecurity-Aktivitäten der Airbus-Gruppe neue Aufgaben innerhalb des Konzerns übernehmen. Die BREKO eG verstärkt ihren Vorstand: Am 1. September 2026 wurde Stefan Hermes, Geschäftsführer der KomMITT-Ratingen GmbH, als neues Mitglied in den Vorstand der Genossenschaft gewählt. Der Diplom-Ingenieur verfügt über 29 Jahre Erfahrung in der Telekommunikationsbranche und bringt insbesondere Expertise im kommunalen Glasfaserausbau, in der Unternehmensführung sowie im strategischen Vertrieb und Business Development in das Gremium ein. Hermes ist Geschäftsführer der KomMITT-Ratingen GmbH und verantwortet dort die operative und strategische Unternehmensführung. 1&1 Versatel hat Christoph Kull zum 1. Oktober 2026 zum neuen Vorsitzenden der Geschäftsführung (CEO) berufen. Kull folgt auf Frank Rosenberger, der das Unternehmen zum Ende des Jahres auf eigenen Wunsch verlassen wird. Kull wird die Transformation von 1&1 Versatel vorantreiben. Ziel ist es, durch die Weiterentwicklung von Organisation, Prozessen und ITStrukturen weitere Spielräume für Zukunftsinvestitionen zu schaffen. Christoph Kull verfügt über langjährige Führungserfahrung in der Technologie- und Softwarebranche für Geschäftskunden. Zuletzt war er als President Business Applications bei der Proalpha Gruppe tätig. Die Proalpha Group stellt ihre Geschäftsführung in der Schweiz neu auf. Jessica Andresen hat die Leitung der Proalpha Schweiz AG als Managing Director übernommen. In dieser Funktion soll sie das Schweizer Geschäft weiterentwickeln: mit Fokus auf den Ausbau des SoftwareNeugeschäfts, die Vertiefung strategischer Kundenbeziehungen, eine stärkere Marktdurchdringung in der Fertigungsindustrie sowie die engere Verzahnung von Direktvertrieb, Partnern und Bestandskundenentwicklung. Andresen war zuletzt bei Oracle in Zürich als Strategic Account Director SaaS für die Deutschschweiz tätig. Silvie Guardiola und Maik Goldschmidt übernehmen gemeinsam die Leitung der Business Unit IT-COM bei Herweck. Mit der neuen Doppelspitze stärkt Herweck die Verbindung von Vertrieb, Business Development und Services. „Für unsere Partner ist entscheidend, dass wir nicht nur die passenden Produkte bereitstellen, sondern auch die notwendige technische und vertriebliche Unterstützung bieten“, erklärt Goldschmidt und führt aus: „Das gilt für die Kunden wie auch für die Herstellerseite. Gerade bei erklärungsbedürftigen IT- und Kommunikationslösungen spielen unsere Services dabei eine immer wichtigere Rolle.“ www.bitmi.de www.proalpha.com www.brekoverband.de www.herweck.de www.1und1.net www.stormshield.com/de 10/2026
13 www.net-im-web.de 10/2026 KOMMUNIKATIONSMANAGEMENT Eine zusätzliche Verbindung für den Krisenfall Satellitenkommunikation für BOS und Kritische Infrastrukturen Bernhard Reimann ist Chefredakteur der NET Bernhard Reimann Cyberangriffe, Sabotage und die zunehmende Bedrohung durch Drohnen stellen die Kommunikationsinfrastrukturen in Deutschland und Europa vor neue Herausforderungen. Für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) sowie Betreiber Kritischer Infrastrukturen (KRITIS) wächst damit die Bedeutung unabhängiger Kommunikationswege. Satellitenkommunikation kann bei einem Ausfall terrestrischer Netze wichtige Verbindungen aufrechterhalten. Sie ersetzt weder Mobilfunk noch Festnetz, erweitert aber die Möglichkeiten einer ausfallsicheren Kommunikationsarchitektur. Satellitenkommunikation gehört seit Jahrzehnten zur technischen Ausstattung von Streitkräften, Katastrophenschutzorganisationen und spezialisierten Einsatzdiensten. Im regulären Betrieb der meisten Behörden und KRITIS-Betreiber spielt sie dagegen bislang eine untergeordnete Rolle. Glasfaser, Festnetz und Mobilfunk bieten hohe Übertragungskapazitäten, kurze Reaktionszeiten und eine flächendeckend ausgebaute Infrastruktur. Das Problem liegt in den Abhängigkeiten. Mobilfunkstandorte benötigen Strom und Verbindungen zum Kernnetz. Glasfasertrassen können beschädigt, zentrale Netzkomponenten durch Cyberangriffe beeinträchtigt werden. Fallen mehrere dieser Einrichtungen gleichzeitig aus, helfen nur von diesen Wegen unabhängige Infrastrukturen. Handlungsdruck durch Cyberangriffe Wie ernst die Bedrohung ist, zeigen aktuelle Zahlen europäischer Sicherheitsbehörden. Die Agentur der Europäischen Union für Cybersicherheit (ENISA) registrierte für 2024 insgesamt 188 gemeldete erhebliche Sicherheitsvorfälle in Telekommunikationsnetzen aus 26 EU-Staaten und zwei Staaten der Europäischen Freihandelsassoziation. Im Vorjahr waren es 156 Fälle. Das entspricht einem Anstieg um 20,5 Prozent. Allerdings erfassen diese Zahlen auch technische Fehler und andere Störungsursachen, nicht ausschließlich Cyberattacken. Das Bundeskriminalamt (BKA) meldete für Deutschland im Jahr 2025 insgesamt 36.706 registrierte Distributed-Denialof-Service-Angriffe (DDoS). Gegenüber 2024 bedeutet dies einen Anstieg um 25 Prozent. Bei solchen Angriffen überlasten Täter gezielt erreichbare Netzwerkdienste mit massenhaft erzeugten Anfragen. Besonders betroffen waren Behörden, Verwaltungen sowie Unternehmen aus Verkehr und Logistik. Für die BOS und KRITIS-Betreiber entstehen Risiken, wenn solche Angriffe nicht nur öffentlich erreichbare Webseiten, Satellitenkommunikation bietet die Möglichkeit, Verbindungen auf einem anderen Übertragungsweg wiederherzustellen, wenn terrestrische Kommunikationsanlagen beschädigt sind (Foto: Pixabay)
14 www.net-im-web.de 10/2026 Eine zusätzliche Verbindung für den Krisenfall sondern zentrale Kommunikations- und Steuerungssysteme treffen. Sind IP-basierte Telefonanlagen, Vermittlungsdienste oder betriebliche Datennetze betroffen, können sich Abstimmungen verzögern und Betriebsprozesse ausfallen. Ein Angriff auf einen Verwaltungsserver bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass auch das BOS-Digitalfunknetz ausfällt. Belastbare öffentliche Statistiken, die solche unmittelbaren Folgen für die BOS-Kommunikation umfassend erfassen, liegen nicht vor. Drohnen als Gefahrenquelle Neben Cyberangriffen rücken physische Bedrohungen stärker in den Mittelpunkt. Drohnen können Kommunikationsstandorte und andere kritische Anlagen ausspähen. Darüber hinaus können sie gezielte Sabotage vorbereiten oder technische Einrichtungen unmittelbar angreifen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) berichtet seit Sommer 2024 über vermehrte verdächtige Drohnenflüge über Kritischen Infrastrukturen in Deutschland. Zu den beobachteten Bereichen gehören Energieanlagen, Industrieanlagen und militärische Einrichtungen. Satellitenkommunikation verhindert solche Angriffe nicht. Sie bietet aber die Möglichkeit, Verbindungen auf einem anderen Übertragungsweg wiederherzustellen, wenn terrestrische Kommunikationsanlagen beschädigt sind. Voraussetzung ist, dass die Satellitenterminals und ihre Versorgungseinrichtungen selbst geschützt bleiben. Satelliten als Ergänzung Für die reguläre Kommunikation von Einsatzkräften bleiben terrestrische Netze unverzichtbar. Das BOS-Digitalfunknetz unterstützt einsatzbezogene Gruppenkommunikation und ist für besondere Sicherheitsanforderungen ausgelegt. Mobilfunknetze ermöglichen darüber hinaus breitbandige Datenübertragung, etwa für Bilder, Lageinformationen oder mobile Anwendungen. Satellitenkommunikation erfüllt andere Aufgaben. Sie eignet sich für Verbindungen zwischen Leitstellen, Krisenstäben, Ausweichstandorten und mobilen Führungseinrichtungen. Über Terminals lassen sich Sprach- und Datendienste unabhängig von lokalen Glasfaser- oder Mobilfunkanschlüssen übertragen. Dabei unterscheiden sich die technischen Möglichkeiten erheblich. Geostationäre Satelliten in rund 35.800 Kilometern Höhe versorgen große Gebiete, verursachen aber vergleichsweise hohe Signallaufzeiten. Systeme im niedrigen Erdorbit (Low Earth Orbit, LEO) ermöglichen geringere Latenzen. Dafür benötigen sie geeignete Antennensysteme und die kontinuierliche Verfügbarkeit vorbeiziehender Satelliten. Auch Satellitennetze besitzen Schwachstellen. Störungen durch Funkinterferenzen, gezielte Signalüberlagerung, Cyberangriffe auf Bodensegmente und Ausfälle zentraler Netzdienste bleiben möglich. Die Leistungsfähigkeit hängt außerdem von der verfügbaren Kapazität, den Antennenbedingungen und der Energieversorgung ab. Aus diesem Grund ist die Satellitenkommunikation alleine keine Garantie für ständige Erreichbarkeit. Ihr entscheidender Vorteil liegt darin, die Abhängigkeit von lokalen terrestrischen Übertragungswegen zu reduzieren. Europa baut Kapazitäten auf Der Bedarf an staatlich geschützter Satellitenkommunikation steigt. Mit dem Programm Governmental Satellite Communications (GOVSATCOM) reagiert die Europäische Union auf die steigende Nachfrage. Die EU bündelt dazu Satellitenkapazitäten mehrerer Mitgliedstaaten und stellt diese zur Nutzung bereit. Eine weitere Ausbaustufe ist die europäische Satellitenkonstellation IRIS². Sie soll künftig als Gegenpart zum amerikanischen Starlink-System sichere Kommunikationskapazitäten bereitstellen. Erste Dienste werden ab 2029 erwartet. Deutschland spielt beim Ausbau der Satellitenkommunikation in Europa eine wichtige Rolle. In Köln entsteht neben Athen einer der dauerhaften Standorte des europäischen GOVSATCOM-Hubs. Die Infrastruktur wird einen redundanten Zugang zu gemeinsamen Satellitenressourcen ermöglichen. Vorbereiten vor dem Netzausfall Behörden und KRITIS-Betreiber sollten zunächst festlegen, welche Kommunikationsverbindungen bei einem großflächigen Ausfall unbedingt erhalten bleiben müssen. Dazu gehören beispielsweise die Verbindung zwischen Leitstelle und Krisenstab, die Kommunikation mit technischen Bereitschaftsdiensten oder der Datenaustausch mit Versorgungsunternehmen. Anschließend müssen die Verantwortlichen prüfen, welche Anwendungen sich über Satellitenverbindungen mit begrenzter Bandbreite betreiben lassen. Sprachkommunikation, Lageberichte und priorisierte Betriebsdaten haben im Notfall Vorrang vor umfangreichen Datenübertragungen. Die technische Integration erfordert unter anderem geeignete Antennenstandorte sowie unabhängige Stromversorgungen. Bei einem Ausfall der regulären Kommunikationsstrecken erfolgt über verschlüsselte Verbindungen die Umschaltung auf Satellitenbetrieb. Dazu gehören auch zentrale IT-Sicherheitsfunktionen. Zur Vorbereitung gehören außerdem verbindliche Nutzungsvereinbarungen, die Abstimmung mit Kommunikationspartnern und regelmäßige Übungen. Ein Satellitenterminal, das lediglich eingelagert wird, gewährleistet noch keine einsatzfähige Ersatzverbindung. Behörden und KRITIS-Betreiber gleichermaßen sind angehalten, bereits heute die notwendigen Schnittstellen, Betriebsverfahren und Zuständigkeiten für ergänzende Satellitenkommunikation festzulegen. Nur wer Satellitenkommunikation rechtzeitig integriert und unter realistischen Bedingungen testet, ist für den Ernstfall gut aufgestellt.
18 www.net-im-web.de KRITISCHE KOMMUNIKATION Vorfall ohne Verbrecher Agenten können eigenständig zum Sicherheitsproblem werden Bernhard Reimann ist Chefredakteur der NET Bernhard Reimann Check Point Research (CPR), die Sicherheitsforschungsabteilung von Check Point Software Technologies, veranstaltete im August einen Hackathon mit sämtlichen internen R&D-Teams. Dabei kamen drei unabhängig voneinander durchgeführte Projekte zu derselben beunruhigenden Erkenntnis: Ein KI-Agent muss nicht erst angegriffen werden, um gefährlich zu werden. Manchmal hört der Agent einfach auf. Manchmal aber auch nicht. Der Vorfall bei OpenAI und Hugging Face vom vergangenen Juli ist ein Paradebeispiel dafür. Bei internen Tests wurden den Agenten Cybersicherheitsaufgaben gestellt, die so schwierig waren, dass für einige keine Lösung bekannt war. Anstatt aufzugeben, umgingen sie die Sicherheitsmaßnahmen, die sie vom Internet isolierten, koordinierten sich über ein improvisiertes Message-Board und kompromittierten schließlich Teile der Infrastruktur von Hugging Face. Genau dieses Verhalten wollte eines der Hackathon-Teams systematisch untersuchen – und herausfinden, welche Bedingungen einen Agenten an seine Grenzen bringen. Man generierte Aufgaben, die angesichts der Werkzeuge und Einschränkungen des Agenten unmöglich zu lösen waren, und ließ den Agenten diese dann in einer simulierten Sandbox versuchen. Parallel zur Sandbox lief eine Überwachungsebene, die jede Aktion des Agenten anhand der tatsächlich gestellten Aufgabe bewertete und diejenigen markierte, die vom Kurs abwichen. Das Testobjekt war ein autonomer SRE-Agent – also genau die Art von Agent, die Teams einsetzen, um die Infrastruktur in einem einwandfreien Zustand zu halten. Angesichts unmöglicher Aufgaben startete er eine Produktionsdatenbank neu, unterbrach Kundenverbindungen und erweiterte seine eigenen Berechtigungen – wobei er an einer Stelle sogar versuchte, per Brute-Force-Methode herauszufinden, welche Rolle ihm den benötigten Zugriff gewähren würde. Niemand hatte ihm dies befohlen oder ihn manipuliert. Die Protokollaufzeichnungen zeigen einen Agenten ohne jegliche böse Absicht, der ernsthaft darüber nachdachte, was helfen könnte, und sich dann selbst Virtuelle, KI-gestüttze Agenten können wertvole Hilfe bei vielen operativen Abläufen schnelle und effizient erledigen. Wichtig ist immer, dass die finale Kontrolle den Menschen überlassen wird (Foto: Ksenia Kartasheva, Pexels)
davon überzeugte, dass die nächste Maßnahme gerechtfertigt sei. Eine vergiftete Datei genügt Die Fragestellung diesmal: Was passiert, wenn ein Problem absichtlich verursacht wird. Man richtete eine Sandbox ein, in der ein Programmieragent autonom an einer legitimen Aufgabe in einer manipulierten Umgebung arbeitete: bösartige Dateien im Repository, eingeschleuste Anweisungen, Inhalte, die darauf abzielten, den Agenten aus der Bahn zu werfen. Dann beobachtete man, was geschah. Das Ergebnis war ernüchternd. Zwei beliebte Programmieragenten, Claude Code und Codex, griffen in einer Repository-Datei versteckte Anweisungen auf und exfiltrierten Anmeldedaten, während sie eine ansonsten harmlose Aufgabe ausführten. Das Team demonstrierte zudem eine Denial-of-Service-Variante. Niemand hatte den Agenten selbst kompromittiert. Der Angriff fand in den Dateien statt, die er auslas, und der Agent tat einfach das, was Agenten immer tun: Er analysierte seine Umgebung und handelte entsprechend dessen, was er vorfand. Anschließend führte man dasselbe Szenario mit aktivierter Laufzeitüberwachung durch. Der böswillige Tool-Aufruf wurde blockiert, und der Agent wurde wieder dazu gebracht, seine legitime Aufgabe zu erfüllen. Gleiche Umgebung, gleiches „Gift“, anderes Ergebnis. Die einzige Variable, die die unterschiedlichen Szenarien hier unterschied, war die Frage, ob jemand die Aktionen des Agenten im Kontext beobachtete. Hierbei gab es allerdings klare Grenzen: Bei Denial-of-Service-Angriffen und bei Angriffen, die nur vor dem Hintergrund eines umfassenden Kontextes Sinn ergeben, war die Abdeckung schwächer. Ablehnen oder besser nachfragen Das dritte Ergebnis war die größte Überraschung. Dabei wurde etwas gemessen, das jeder für selbstverständlich hält, und die Zahlen widersprachen der gängigen Meinung. Wenn ein Monitor einen verdächtigen Tool-Aufruf erkennt, besteht die Standardreaktion darin, diesen zu blockieren. Das Blockieren ist sicher und kompromisslos. Es stoppt den Angriff und oft auch die damit verbundene Aufgabe. Doch was wäre, wenn das System, anstatt den Aufruf abzulehnen, den Agenten befragen, ihn an die ursprüngliche Anweisung des Benutzers erinnern und ihm die Möglichkeit geben würde, den Vorgang wiederherzustellen? Man testete neun verschiedene Reaktionsstrategien – von der strikten Blockierung bis hin zu verschiedenen Arten der Befragung – anhand von 90 Aufgaben aus „DecodingTrust-Agent“, einem öffentlichen Benchmark für Agentensicherheit. Der Monitor selbst wurde eigens für das Experiment entwickelt – ein LLM-Prüfer, der jeden Tool-Aufruf des Agenten überprüft. Jeder Durchlauf folgte bis zum ersten Eingriff des Monitors einem identischen Ablauf; ab diesem Punkt wichen die Strategien voneinander ab, und eine regelbasierte Überprüfung bewertete, ob der Angriff erfolgreich war und ob die Aufgabe erledigt wurde. Jede Strategie halbierte den Angriffserfolg in etwa – von 46,7 Prozent ohne Überwachung auf zwischen 22 und 27 Prozent. Der Unterschied lag in den Kosten. Durch hartes Blockieren wurden neun abgeschlossene Aufgaben geopfert, um die Sicherheit zu gewährleisten. Dem Agenten eine sicherere Alternative anzubieten, verhinderte ebenso viele Angriffe und ermöglichte gleichzeitig die Erledigung dieser neun Aufgaben – die einzige Strategie, die die Angriffe halbierte und dabei die Aufgabenabwicklung auf dem gleichen Niveau hielt wie ohne jegliche Überwachung. Für alle Unternehmen, die Agenten in der Produktion einsetzen, ist dieser Kompromiss von Bedeutung. Blockierte Aufgaben sind Kosten, die man irgendwann nicht mehr zahlen will – in der Regel folgt, dass man die Leitplanke deaktiviert. Agenten werden auf Hindernisse stoßen, und manche werden improvisieren. Man muss für Fehlerverhalten, nicht nur für Angriffsverhalten bewerten. Der Kontext von Agenten ist eine Angriffsfläche. Jede Datei, jede Seite und jede Nachricht, die ein Agent liest, ist eine Eingabe, die möglicherweise von jemand anderem verfasst wurde. Einen als abwegig erkannten Agenten wieder auf seine Aufgabe zurückzuführen, kann ebenso gut schützen wie das Blockieren – und das zu einem Bruchteil der Produktivitätskosten. Diese Erkenntnisse zeigen, wohin sich die Agentensicherheit entwickelt – weg vom Filtern dessen, was in das Modell gelangt, hin zum Beobachten dessen, was der Agent im Kontext tut, mit einer Reaktion, die intelligenter ist als eine bloße Ablehnung. Check Point Research stellt Check Point Software-Kunden und der gesamten Geheimdienst-Community führende Erkenntnisse über Cyber-Bedrohungen zur Verfügung. Das Forschungsteam sammelt und analysiert globale Cyber-Angriffsdaten, die in der ThreatCloud gespeichert sind, um Hacker in Schach zu halten und gleichzeitig sicherzustellen, dass alle Check Point-Produkte mit den neuesten Schutzmaßnahmen aktualisiert werden. Das Forschungsteam besteht aus über 100 Analysten und Forschern, die mit anderen Sicherheitsanbietern, Strafverfolgungsbehörden und verschiedenen CERTs zusammenarbeiten. www.checkpoint.com Vorfall ohne Verbrecher Anstatt aufzugeben, umgingen die KI-Agenten die Sicherheitsmaßnahmen, die sie vom Internet isolierten
30 www.net-im-web.de 10/2026 SICHERHEIT FÜR NOC/SOC Sicheres Fundament für KI-Daten Hohe Anforderungen an die Speicherinfrastruktur Sven Sladek ist Senior Datacenter Sales Executive bei Dell Technologies Deutschland Sven Sladek Künstliche Intelligenz stellt hohe Anforderungen an die Performance und Verfügbarkeit von Daten. Gleichzeitig müssen Unternehmen ihre Speicherinfrastrukturen vor Hackerangriffen schützen. Mit den richtigen Maßnahmen können Unternehmen IT-Sicherheit und Cyberresilienz schrittweise in ihre Infrastrukturen integrieren. Für die Implementierung von Künstlicher Intelligenz bauen viele Unternehmen IT-Infrastrukturen on-Premises auf. Der Betrieb der IT im eigenen Haus kann ihre Datensouveränität im Vergleich zu Public-Cloud-Angeboten stärken: Sie behalten die Kontrolle über sensible Daten, die sie für das Training und den produktiven Einsatz von KI-Modellen benötigen und die Rückschlüsse auf ihr spezifisches Know-how sowie ihre Differenzierungsmerkmale zulassen. Gleichzeitig können sie Lock-in-Effekte vermeiden, die bei der Nutzung von Public-Cloud-Angeboten entstehen können. Eine zentrale Rolle innerhalb dieser On-Premises-Infrastrukturen spielen die Speichersysteme. KI-Anwendungen greifen beim Training und im produktiven Einsatz auf große Datenmengen zu, die schnell und zuverlässig verfügbar sein müssen. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die Speicherinfrastruktur. Mit modernen All-Flash-Storage-Plattformen lassen sich diese erfüllen. Hoher Durchsatz und niedrige Latenzen sorgen dafür, dass Daten auch bei vielen parallelen Zugriffen schnell bereitgestellt und Rechenressourcen wie GPUs und CPUs möglichst effizient genutzt werden können. Während zentrale Storage-Plattformen Daten für verschiedene Workloads bereitstellen, eignen sich skalierbare Systeme insbesondere für große unstrukturierte Datenbestände wie Trainingsdatensätze oder Data Lakes. Für besonders geschäftskritische Anwendungen stehen wiederum hochperformante Speicherarchitekturen zur Verfügung. Sicherheit der Speichersysteme Neben der Leistungsfähigkeit müssen Unternehmen auch die Sicherheit der Speichersysteme berücksichtigen. KI-Anwendungen sind in besonderem Maß auf große Datenbestände angewiesen, die für Eine sichere Speicherinfrastruktur verbindet mehrere Ebenen: Sie erschwert Angriffe durch präventive Maßnahmen, erkennt verdächtige Aktivitäten früh und hält geschützte Datenbestände für die Wiederherstellung vor (Foto: Brett Sayles, Pexels)
www.net-im-web.de 31 10/2026 Sicheres Fundament für KI-Daten Training, Inferenz und Analytics kontinuierlich verfügbar sein müssen. Werden Daten durch einen Cyberangriff verschlüsselt, gelöscht oder manipuliert, kann das die darauf angewiesenen KI-Anwendungen erheblich beeinträchtigen. Neben üblichen Abwehrmaßnahmen wie Antivirensoftware, Firewalls oder Phishing-Schutz kann auch die Speicherinfrastruktur selbst einen wichtigen Beitrag zur IT-Sicherheit leisten. Eine entscheidende Grundlage dafür bildet ein Zero-Trust-orientierter Ansatz, bei dem Komponenten und Zugriffsversuche nicht grundsätzlich als vertrauenswürdig eingestuft, sondern auf verschiedenen Ebenen überprüft werden. Das beginnt idealerweise bereits in der Lieferkette. Nicht nur bei den Zulieferern eines IT-Lieferanten, sondern auch während des Transports besteht potenziell das Risiko von Manipulationen. Mit geeigneten Maßnahmen kann der IT-Lieferant sicherstellen, dass Hardware, Firmware und Speichersysteme vor der Auslieferung auf Manipulation geprüft werden und bei der Installation vor Ort einen vertrauenswürdigen Ausgangszustand besitzen. Eine Möglichkeit dazu ist die kryptografische Prüfung von Hardware und Firmware. Sie kann dazu beitragen, Abweichungen vom erwarteten Zustand zu erkennen und manipulierte Komponenten oder Softwarebestandteile zu identifizieren. Eine weitere Schutzebene kann Secure Boot bilden. Dabei wird beim Start eines Systems geprüft, ob die zu ladenden Softwarekomponenten vertrauenswürdig und nicht manipuliert sind. Ein hardwarebasierter Root of Trust kann dafür eine geschützte Vertrauensbasis schaffen und die Integritätsprüfung der Systemkomponenten unterstützen. Welche Funktionen verfügbar sind, hängt dabei von der jeweiligen Plattform und Systemarchitektur ab. Der Zero-Trust-Gedanke sollte sich dann im laufenden Betrieb fortsetzen. Unternehmen können mit rollenbasierten Zugriffsmodellen sicherstellen, dass Benutzer und Anwendungen nur auf die Daten und Funktionen zugreifen können, die sie für ihre jeweilige Aufgabe benötigen. Eine Multi-Faktor-Authentifizierung stellt eine zusätzliche Hürde dar, wenn Zugangsdaten kompromittiert wurden. Verschlüsselung schützt die Daten darüber hinaus sowohl im Ruhezustand als auch bei der Übertragung vor unbefugtem Zugriff. Das Zusammenspiel dieser Maßnahmen reduziert die Angriffsfläche auf mehreren Ebenen: Selbst wenn es einem Angreifer gelingt, eine einzelne Schutzbarriere zu überwinden, erhält er dadurch nicht automatisch Zugriff auf die gesamte Speicherinfrastruktur und die darin gespeicherten Daten. Auswirkungen begrenzen Da die Techniken und Verfahren von Angreifern immer ausgefeilter und zunehmend durch KI unterstützt werden, können auch die besten Präventivmaßnahmen erfolgreiche Attacken nicht immer verhindern. Zusätzlich zur IT-Sicherheit benötigen Unternehmen deshalb auch Cyberresilienz: Sie sollten in der Lage sein, Angriffe möglichst frühzeitig zu erkennen, ihre Auswirkungen zu begrenzen und betroffene Daten zuverlässig wiederherzustellen. Auch hierzu kann die Speicherinfrastruktur maßgeblich beitragen, insbesondere durch die regelmäßige Sicherung von Daten. Unternehmen haben beispielsweise die Möglichkeit, Snapshots direkt auf dem Primärspeicher anzulegen. Dabei wird der Zustand eines Datenbestands zu einem bestimmten Zeitpunkt festgehalten, sodass sich bei Bedarf ein früherer Datenstand wiederherstellen lässt. Snapshots ergänzen separate Backups, ersetzen diese aber nicht. Zusätzlich können gesicherte Daten auf separaten Backup-Systemen gespeichert werden. Die Sicherungskopien liegen dann außerhalb der produktiven Umgebung und dienen auch dann noch als Wiederherstellungspunkt, wenn die Produktivsysteme bei einem Cyberangriff kompromittiert wurden. Als zusätzliche Sicherheitsschicht können Unternehmen unveränderbare („immutable“) Backups einsetzen. Mit einem sogenannten Retention Lock lässt sich festlegen, dass eine Kopie für einen bestimmten Zeitraum weder verändert noch gelöscht werden kann. So steht nach einem erfolgreichen Angriff weiterhin mindestens ein vertrauenswürdiger Datenbestand für die Wiederherstellung zur Verfügung. Je nach Ausprägung und Konfiguration – insbesondere im Compliance-Modus – kann der Schutz so gestaltet sein, dass selbst privilegierte Administratoren die gesicherten Daten innerhalb der festgelegten Aufbewahrungsfrist nicht manipulieren oder entfernen können. Damit bleibt eine Backup-Kopie auch dann geschützt, wenn ein Angreifer über gestohlene Zugangsdaten administrative Rechte erlangt. Ungewöhnliche Muster erkennen Auch bei der Erkennung von Angriffen kann die Speicherinfrastruktur eine wichtige Rolle spielen. Anomalieerkennung und Telemetrie ermöglichen es, ungewöhnliche Veränderungen und Nutzungsmuster in den Speichersystemen zu identifizieren. Dazu gehören beispielsweise plötzliche Massenverschlüsselungen oder die massenhafte LöSven Sladek Unternehmen sollten zunächst besonders schützenswerte Daten und kritische Anwendungen in den Blick nehmen und die Sicherheits- und RecoveryMechanismen anschließend entsprechend erweitern
36 www.net-im-web.de 10/2026 NETZE Internetknoten minimieren Cyberrisiken Zentrale Treffpunkte für Clouds und Firmennetzwerke Harald Kriener ist Head of Global Presales, Consulting and Customer Success Management beim Internetknoten-Betreiber DE-CIX Harald Kriener Wenn Apps ausfallen und Datenströme stocken, spüren Unternehmen sofort die Folgen. Ohne Internet bleiben nicht nur Bahnreisende, sondern viele Cloud-basierte Geschäftsmodelle auf der Strecke. Da stellt sich die Frage, wie sich Risiken, Latenzen und Kosten für Betreiber von Rechenzentren senken lassen. Schnell aus dem Taxi durch die Eingangshalle hoch zum Bahnsteig laufen: Der Zug soll pünktlich sein. Routiniert geht der Griff zum Handy in der Manteltasche, aber die Ticket-App will nicht laden. Probleme mit dem mobilen Internet? Fehlanzeige! Trotz vollem Empfang keine Fahrkarte. Und ohne Ticket keine Sitzplatzreservierung und keine Push-Info. Der kurzfristige Gleiswechsel bleibt also unbemerkt – und der Reisende am Bahnsteig zurück. Stress, Ärger und Probleme im realen Leben, die in der virtuellen Welt ihren Anfang nahmen. Mitte Februar legte ein groß angelegter, verteilter und gleichzeitig ausgeführter Cyberangriff auf die Bahn in Deutschland Apps und Websites lahm. Bei der Distributed Denial-of-Service (DDoS) Attacke schickten Tausende manipulierte Geräte parallel Millionen Anfragen an Portale und Anwendungen. Das Ziel: Die Online-Services des Verkehrsanbieters gezielt zu überlasten, um sie ausfallen zu lassen. Stillstand nach einem Tag Musik streamen, News lesen und mobil Fahrkarten kaufen – nicht nur das digitale Leben hängt von Online-Diensten ab. Auch in Fabriken und Büros geht ohne Internet kaum noch was. Fällt das Netz der Netze aus, so müssten laut aktueller Bitkom-Umfrage hierzulande Unternehmen nach durchschnittlich 20 Stunden ihren Betrieb einstellen. Für jede fünfte befragte Firma (21 Prozent) wäre sogar ein sofortiger Stopp unvermeidbar. Nur 8 Prozent sind sich sicher, länger als 48 Stunden produktiv bleiben zu können. Rund 600 Unternehmen aller Größenklassen aus Deutschland hatte der Digitalverband Anfang 2026 befragt. Sichere private Konnektivität Egal, was öffentlich erreichbare Systeme beeinträchtigt – überall dort, wo AppliMusik streamen, News lesen und mobil Fahrkarten kaufen – nicht nur das digitale Leben hängt von Online-Diensten ab. Auch in Fabriken und Büros geht ohne Internet kaum noch was
37 www.net-im-web.de 10/2026 kationen, Geschäftsprozesse und Daten von einem funktionierenden Internet abhängen, sollten Firmen vorsorgen. Beispiel Cloud-Landschaften: In Zeiten, in denen die eigenen Anwendungen immer häufiger in den Rechenzentren externer Anbieter liegen, kann ein öffentlicher Transportweg zur Achillesferse werden. Zum einen, weil Verbindungen zu schützen sind: VPN-Tunnel, IPSec-Protokolle und Verschlüsselungen sind dabei separat zu administrieren, erfordern oftmals Rechenleistung und schränken Bandbreiten ein. Zum anderen, weil sich die Pfade, auf denen Bits und Bytes im Internet unterwegs sind, nicht kontrollieren lassen: Fließen virtuelle Pakete nur auf Umwegen, können Transfers ins Stocken und Anwendungen ins Stottern geraten. Was lästig beim Videostreaming ist, ist entscheidend für viele echtzeitkritische Prozesse: Cloud-basierte Geschäftsmodelle von heute sind von stabilen Bandbreiten, hoch verfügbarer und hoch sicherer Konnektivität abhängig. Alles, was Datendurchläufe verzögert und bremst, verzögert und bremst den eigenen Betrieb. Zwischen Cloud und Unternehmen Internetknoten kommen als Lösung in Frage. Sie sind nicht nur die zentralen Treffpunkte für Clouds und Firmennetzwerke in unserer digitalen Welt, sondern auch Drehscheiben für virtuelle Informationsflüsse. Dabei lassen sich Bits und Bytes an Internet Exchanges (IXs) am Internet vorbei transportieren. Der Vorteil: Wer Daten derart direkt und privat austauscht, minimiert Durchlaufzeiten und maximiert Sicherheit. Speziell für multiple und hybride Cloud-Landschaften bietet der IX-Betreiber DE-CIX einen Softwaredefinierten Routing-Service. Der Cloud ROUTER lässt Daten unmittelbar und abgeschottet zwischen unterschiedlichen Providern fließen. Die vom öffentlichen Internet abgetrennte Architektur schließt Risiken durch Route Hijacking, DDoS- und Man-in-the-Middle-Attacken auf Transportebene weitgehend aus – unabhängig von Regionen, Providern oder bestehenden Netzen. Sichere Cloud-Verbindungen Wer den virtuellen Dienst nutzen möchte, schaltet seine Cloud-Verbindungen auf der Plattform zusammen. Über die verteilte Carrier- und Rechenzentrums-neutrale Infrastruktur von DE-CIX bleibt der Digitalverkehr privat. Pfade lassen sich genau kontrollieren und Bandbreiten sowie Durchlaufzeiten SLA-basiert gewährleisten. Statt Verbindungen einzeln und getrennt zu verwalten, lassen sie sich gebündelt über ein zentrales Interface administrieren – vom Troubleshooting über das Routing bis hin zum Monitoring. So behalten Anwender etwa auch Datenströme zwischen Clouds im Blick und überwachen, welche Systeme miteinander und in welchem Umfang kommunizieren. Dabei ist der Service weder an einzelne Provider noch bestimmte Rechenzentren gebunden. Multi- und Hybrid-Clouds lassen sich frei gestalten, ohne VendorLock-In und ohne Einschränkungen bei der Standortwahl. Globale Hyperscaler sowie regionale und spezialisierte Clouds sind an die Plattform angeschlossen. IT-Landschaften schützen Ob Compliance, Branchenvorgaben oder Geopolitik, die Frage, auf welchen Wegen die eigenen Firmendaten zwischen Anwendungen fließen, stellt sich aus vielen Gründen. Und egal, was Unternehmer antreibt: Internetknoten und virtuelle Routing-Dienste bieten sich als mögliche Antwort an. Wer für Workloads etwa ausschließlich deutsche oder europäische Netzwerke nutzen möchte, kann das klar definieren. Weiterer Pluspunkt: Wer Daten privat zwischen Clouds verschiebt, kann Egress-Gebühren sparen. Kosten reduzieren und IT-Landschaften schützen – eine Mischung, die nach Meinung von Bitkom vielen hiesigen Anwendern schmecken müsste: Schließlich gehen laut Umfrage 62 Prozent der Unternehmen davon aus, ohne Cloud nicht mehr arbeitsfähig zu sein. www.de-cix.net/de Internetknoten minimieren Cyberrisiken Internetknoten sind nicht nur die zentralen Treffpunkte für Clouds und Firmennetzwerke in unserer digitalen Welt, sondern auch Drehscheiben für virtuelle Informationsflüsse (Fotos: DE-CIX)
49 www.net-im-web.de Zweikanal Analogsignalgenerator für Gerätetests Keysight Technologies präsentiert den neuen analogen Signalgene- rator der PSG XG7-Klasse mit 20 Gigahertz (GHz). Er vereint zwei vollständig unabhängige Kanäle in einem einzigen Gehäuse mit einer Höhe von zwei Rack-Einheiten (2U). Dank seines besonders geringen Rauschpegels und seiner kalibrierten Ausgangsleistung können Entwickler die Leistung von Geräten besser bewerten, während das kompakte Zweikanal-Design die Testkapazität erhöht, ohne zusätzlichen Platz im Rack zu beanspruchen. Der PSG bietet ein Phasenrauschen von -135 dBc/Hz und ein Amplitudenmodulations- rauschen von -150 dBc/ Hz, gemessen bei 10 GHz mit einem Offset von 10 kHz, sowie einen breitbandigen Rauschpegel von -166 dBc/Hz bei 10 GHz. Seine Hybridarchitektur nutzt eine softwaregesteuerte Modusumschaltung, um die Leistung für verschiedene Anwendungen zu optimieren, während eine kalibrierte Ausgangsleistung von bis zu +22 dBm dazu beiträgt, Verluste in Kabeln und Testvorrichtungen auszugleichen. Eine saubere, kalibrierte Ausgangsleistung von bis zu +22 dBm trägt dazu bei, den erforderlichen Signalpegel am Prüfling aufrechtzuerhalten. www.keysight.com Neue Glasfaseranschlussdose von BRAUN TEC Die BRAUN TEC GmbH stellt mit der EWO-F20 („Enhanced Wall Outlet“) eine neue Glasfaseranschlussdose vor. Die EWO-F20 bietet mit Platz für bis zu vier Adapter – beispielsweise LC/APC Duplex, LC/APC Simplex oder SC/APC – hohe Flexibilität für unterschiedliche Netz- und Belegungskonzepte. Das schafft zusätzlichen Spielraum etwa bei geförderten Ausbauprojekten, unterschiedlichen Anschlusskonzepten oder einer späteren Nach- belegung im Rahmen von Open Access. Auch bei der Kabelzuführung bietet die EWO-F20 vielfältige Möglichkeiten: Sie kann Kabel oder Microducts mit einem Durchmesser von bis zu 7 mm einschließlich Gas-Wasser-Blocker direkt aufnehmen. Im Einfamilienhaus kann sie damit unmittelbar als Abschlusspunkt Linientechnik (APL) eingesetzt werden. In Mehrfamilienhäusern beziehungsweise Wohnungen ermöglicht die Konstruktion zudem eine Zuführung über entsprechende Rohrsysteme. Trotz ihrer umfangreichen Ausstattung bleibt die EWO-F20 mit einem Grundgehäuse von nur 80 x 80 mm kompakt. Gleichzeitig ist sie mit sämtlichen Zubehörartikeln der bewährten Glasfaseranschlussdose EWO-F10 kompatibel www.brauntec.de (Foto: Braun Tec) (Foto: Keysight) Enterprise-SSDs von KIOXIA mit Direct Liquid Cooling KIOXIA erweitert ihre Enterprise-SSD-Reihe CM9. Die neuen Modelle im E3.S-Formfaktor unterstützen Direct Liquid Cooling (DLC) und somit insbesondere Serverdesigns mit Cold-PlateKühlung. Sie eignen sich aber auch für herkömmliche luftgekühlte Umgebungen. Die neuen DLC-Modelle der CM9-Serie von KIOXIA unterstützen nicht nur zukunfts- und leistungsorientierte Kühllösungen, sondern bieten auch Endurance-Optionen für leseintensive (1 DWPD) und gemischte Workloads (3 DWPD), was sich positiv auf das SSD-Context-Caching auswirkt. Die SSDs bieten Kapazitäten von bis zu 30,72 TB bei leseintensiver Endurance (1 DWPD) und 25,6 TB bei gemischter Endurance (3 DWPD), eine sequenzielle Leistung (128 Kibibyte/QD32) von bis zu 14,8 GB/s beim Lesen und 11 GB/s beim Schreiben und Dual-Port-Unterstützung im SSD-Formfaktor E3. Darüber hinaus sind die neuen SSDs konform mit den Spezifikationen PCIe 5.0, NVMe 2.0 und NVMe-MI 1.2c www.eu.kioxia.com Intelligentere 48-V-Stromversorgungen von Microchip Microchip Technology stellt die Serien PAC1761 und PAC1861 energiebewusster 65-V-Leistungsüberwachungs-ICs vor. Diese kombinieren Erkenntnisse aus der Leistungsmessung mit der erforderlichen Messbereichsreserve für hohe Spannungen sowie Schutzfunktionen gegen transiente Spannungsspitzen, um 48-V-Stromversorgungs- architekturen effizienter und widerstandsfähiger zu gestalten. Der Übergang zu 48-V-Architekturen erfordert Leistungsüberwachungs-ICs mit einer zusätzlichen Betriebsmarge, die Messungen bis 65 V und einen Schutz gegen Spannungsspitzen bis 75 V abdeckt. Dies garantiert die Widerstandsfähigkeit gegenüber transienten Ereignissen. Zu den Zielanwendungen zählen Fahrzeugelektronik, KI/Rechenzentren, Netzwerke, Industrie, Server, Telekommunikation/Power over Ethernet (PoE) sowie 48-V-Stromverteilung. Der PAC1761 und PAC1861 erfassen zusätzlich die Dynamik des Energieverbrauchs in Echtzeit. www.microchip.com (Foto: Microchip) (Foto: Kioxia) 10/2026 PRODUKTE
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